Wer bin ich/bist du?


In den Texten der Heiligen Schrift begleiten uns Persönlichkeiten durch die Zeit des Advent. Sie sollen uns durch die Botschaft ihres Lebens Vorbild sein auf unserem Weg durch diese Zeit. Da ist Maria, die Mutter Jesu, die sich auf das Wort Gottes einließ. Ihr Fest feierten wir am vergangenen Montag. Heute stellt uns der Evangelist Johannes Johannes den Täufer vor, den Rufer in der Wüste. Beide gehören sie zu diesen Tagen des Advent und begegnen uns immer wieder.

Beide Gestalten geben sehr unterschiedlich Antwort auf den Anruf Gottes. Mit Maria lässt sich die Frage "Wer bin ich?" verbinden, mit Johannes die Frage "Wer bist du?"

Maria frägt den Boten Gottes, wer bin ich denn, dass Gott gerade auf mich zukommt, um mich in Dienst zu nehmen. Hinter ihrer Frage klingt eine eher passive, erwartende Haltung an. Maria lässt mit sich machen. Sie vertraut darauf, dass Gott weiß, was er mit ihr vor hat und überlässt sich Gottes Hand. Das Bild der dienenden Magd ist zum Bild geworden, das wir mit Maria verbinden.

Anders Johannes der Täufer. Mit seiner Aktivität hat er die Juden in Jerusalem aufmerksam gemacht und sie herausgefordert. Nun wollen sie von ihm wissen, wer er eigentlich ist. Wer bist du? - dass du dir soviel herausnimmst und die Menschen zur Umkehr aufrufst? Woher nimmst du dir das Recht? - Bist du der Messias? Bist du Elija? Bist du der Prophet?

Johannes nimmt sich viel heraus, denn er stellt sich in die Tradition des Propheten Jesaia. Dort sind die Worte zu lesen, die Johannes als Antwort mitgibt. Der Rufer in der Wüste zu sein, hebt ihn heraus aus der Gruppe der Wanderprediger, mit denen die Juden regelmäßig zu tun hatten. Hätte er sich nun als Messias, als Elija oder als der Prophet bezeichnet, dann hätten die Menschen gewusst, mit wem sie es zu tun haben, und man hätte entsprechend reagiert. Doch Johannes lässt sich nicht vereinnahmen. Er passt nicht in vorbestimmte Muster, denn er ruft zur Veränderung auf. Da kann man sich nicht in vorgegebene Rollen pressen lassen. Letztendlich bleibt Johannes der Täufer die Antwort auf die Frage der Juden schuldig. Damit bleibt er frei für das, was er als seinen Auftrag sieht. Er ruft zur Umkehr auf, denn der Heiland ist nahe.

Johannes der Täufer lässt sich nicht festlegen. Nur so bleibt er glaubwürdig. Als Rufer in der Wüste, der die Menschen dazu aufruft, ihr Leben zu überdenken und umzudenken, muss er selbst auf einem Weg der Umkehr bleiben. Johannes braucht Freiheit, um selbst auf dem Weg zu bleiben, den er verkündet.

Die Zeit des Advent greift das Leben des Täufers auf. Wir gehen durch eine Zeit der Besinnung und der Umkehr. Wie an ihn stellt sich an uns die Frage, wer wir sind. Stellen wir uns dieser Frage und versuchen wir eine Antwort. Was macht mein Wesen aus? Kann ich es entdecken hinter den vielen Rollen, die ich mir gewählt oder die mir zugewiesen wurden? Wer bin ich - wirklich? Die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Wirklichkeit fordert heraus. Sie stellt uns die Frage nach dem Bild, das wir von uns haben und den Beziehungen, die wir pflegen.

Der Advent möchte uns mit der Stimme Johannes des Täufers auf den Weg bringen. Johannes ruft uns auf, sich uns selbst zu stellen und dabei die Wege der Hinwendung zu uns selbst und zu Gott hin zu gehen.

Wer bin ich? so fragt Maria den Boten Gottes. Wer bin ich, dass sich Gott gerade mit mir einlässt. Und Maria bekommt zur Antwort, Gott macht das schon. Ähnlich trifft es uns. Auch mit uns will Gott sich einlassen. Sind wir bereit zu fragen, wer bin ich, dass sich Gott gerade mit mir einlassen will? Sind wir bereit, dann tritt Gott an uns heran und in unser Leben.