Ein weiser Mann wurde einmal gefragt, was er denn tun würde, wenn er wüsste, dass am nächsten Tag die Welt untergeht. Er antwortete, er würde gemächlich in seinen Garten gehen und einen Baum pflanzen. Die Antwort dieses Mannes drückt große Gelassenheit aus. Warum soll man sich auch verrückt machen? Wer seine Überzeugung lebt, den bringen auch Weltuntergangsankündigungen nicht in Verlegenheit.

Am Ende des Kirchenjahres hören wir als Bibelstellen Texte vom Ende der Welt. Diese Texte wirken düster und geben oft ein bedrückendes Bild. Wenn man gerade auch auf dem Hintergrund des heutigen Evangeliums dann in die Welt blickt, könnte man sich fragen, ob das Ende der Welt kurz bevor steht. Die Endzeitstimmung könnte dafür sorgen, dass man die Hände in den Schoß legt und denkt, es lohnt sich eh nicht mehr, sich noch weiter anzustrengen. Besser ist des die letzten Tage zu genießen. Man kann auch in übertriebene Hektik verfallen, da es ja noch so viele wichtige Dinge zu tun gibt. Doch weder das eine noch das andere ist angebracht. Jesus merkt zu seiner Endzeitankündigung an, lasst euch nicht erschrecken, das Ende kommt noch nicht sofort, auch wenn es drunter und drüber geht.

Die urchristliche Gemeinde lebte in der Erwartung, dass nach seinem Tod Jesus bald wiederkommen würde. Das Ende der Welt sollte also nahe bevorstehen. Wenn wir dazu die Worte des Paulus an die Thessalonicher hören, dann scheint es auch so zu sein, dass mancher sich eher für ein gemütliches Leben entschieden hatte und dabei das Arbeiten versäumte. Das Beispiel des Paulus und seiner Begleiter sah wohl anders aus. Er betont, dass sie für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgten, obwohl sie Anspruch auf Unterstützung gehabt hätten. Die Menschen sollten normal leben, egal, ob sie das Ende der Welt nahe bevorstehen sahen oder nicht. Normal leben heißt auch, mit Blick für die Wirklichkeit an der Entwicklung und Gestaltung von Gesellschaft und Welt mitzuarbeiten.

Endzeitstimmung wird gerade in unseren Tagen immer wieder verbreitet und sind weniger religiöse Gründe, die Menschen in Bedrängnis bringen. Vielmehr ist es der Blick in die Zukunft unserer Welt, angesichts der sozialen und ökologischen Probleme, die sich immer mehr zeigen. Doch auch hier gilt, weder übertriebener Aktionismus noch gemächliches Zurücklehen helfen.

Jeder Mensch trägt gemäß seinen Möglichkeiten Verantwortung für die Zukunft unserer Erde. Wir meinen vielfach, wir könnten eigentlich nichts tun und lassen andere nachdenken. Dabei wäre schon das eine oder andere Mal das Überwinden der eigenen Bequemlichkeit ein Anfang, um unsere Verantwortung für die Welt zu übernehmen. Da stöhnen wir beispielsweise über hohe Energiepreise, seien es der Benzin an der Tankstelle oder die Stromkosten. Doch wie viel braucht es, dass das Auto in der Garage stehen bleibt und wir den Bus nehmen, der ja sowieso fährt, oder dass wir einen der vielen Vorschläge zum Stromsparen umsetzen? Manchmal ist das ja nur der Schritt zum Ausschaltknopf am Fernseher, um ein Standby auszuschalten. Diese kleinen Beispiele klingen banal und doch bringen sie in der Summe der Haushalte und Kraftfahrzeuge beachtliche Erfolge. Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen beginnt vielfach mit diesen kleinen Schritten. Wir nehmen die Endzeitstimmung unserer Zeit zwar war, aber gleichzeitig delegieren wir die Verantwortung schnell an andere. Die Anderen sollen doch anfangen – dieser Satz ist oft nur Zeichen für die Entschuldigung eigener Bequemlichkeit.

Die Endzeitstimmung unserer Zeit hat allerdings nichts zu tun mit der Endzeit, von der Jesus spricht. Heute ist es eher Anfrage an uns, wie wir mit unserem Verhalten den Lebensraum Erde gestalten – für uns und für die nachfolgenden Generationen. Allerdings braucht es etwas von der Standhaftigkeit, die Jesus von seinen Jüngern erwartet. Sich nicht vom Strom der Zeit mitreißen lassen, sondern mit Blick für die Wirklichkeit unsere Verantwortung für Welt und Gesellschaft wahrnehmen, braucht oft Standhaftigkeit, denn solche Menschen erscheinen schnell auch als die Dummen, denn sie hätten ihr Leben ja nicht ausgekostet. Doch wer wirklich seine Überzeugungen lebt und damit Verantwortung für die Welt übernimmt, der wird wirklich von sich sagen können, ich habe das Leben gewonnen.