So ein Pharisäer! – diese Aussage über einen anderen stellt ein wenig rühmliches Zeugnis aus. Wir werfen ihm vor, dass er nur auf die Fehler andere hinweist und selbst kein Schuldbewusstsein besitzt. Diese Selbstgerechtigkeit ist sprichwörtlich geworden und bezieht sich auf das Evangelium, das wir gerade gehört haben.

Zwei Menschen stehen vor Gott – ein öffentlicher Sünder, der Zöllner war in der jüdischen Gesellschaft als römischer Beamter verschrien, und ein Pharisäer, offiziell ein gerechter Mann. Beide stehen sie vor Gott und verhalten sich ihrem Stand gemäß, der Pharisäer sieht sich als gerecht und der Zöllner bekennt seine Schuld. Soweit scheint alles in Ordnung.

Wir spüren aber selbst, dass es nicht so einfach geht. Wir merken, vor Gott kann kein Mensch eine weiße Weste vorweisen und sei er noch so heilig. Vor Gott steht der Mensch immer in Schuld. Bei allem Bemühen wird es uns nie gelingen, nicht doch etwas zu finden, wo wir jemanden etwas schuldig geblieben sind. Das Gebet des Zöllners ist ehrlich. Das Gebet des Pharisäers malt ein schönes Bild, und er stellt sich dabei über den Zöllner. Das macht ihn ungerecht. Vor Gott gilt kein Vergleich mit anderen. Vor Gott gibt es kein ich bin besser als der andere. Vor Gott bin ich gefragt, ganz allein ich. Gerecht bin ich dann, wenn ich zu dem stehe, wer und was ich bin und tue.

Wen Menschen von Gerechtigkeit reden, dann meinen sie oft Gleichheit. Dann werden sie neidisch, weil sie sehen wie vermeintlich besser es den anderen geht. Unter den Tisch fällt die Frage, ob der andere vielleicht mehr braucht, aus welchen Gründen auch immer. Gerechtigkeit hat nicht viel mit Gleichheit zu tun. Sie orientiert sich vielmehr an der konkreten Situation des Menschen und gesteht ihm zu, was ihm gerecht wird.

Wenn wir heute am Weltmissionssonntag auf die Länder unserer Welt blicken, wo Menschen nicht die Chancen zum Leben haben, wie wir es gewohnt sind, dann geht es auch nicht darum, die Lebensstandards in aller Welt auf ein identisches Niveau zu heben. Vielmehr soll uns die Situation der Menschen in den verschiedenen Ländern bewusst werden. In der Auseinandersetzung mit ihren Lebenssituationen kann uns deutlich werden, wo Menschen vergeblich auf das warten, was ihnen gerecht wird. Sei es sauberes Wasser und saubere Luft, sei es Lohn für Arbeit, von dem sich leben lässt, sei es Respekt und Anerkennung. Eine gerechte Welt sieht die Bedürfnisse aller Menschen und regt ein Handeln an, das niemanden auf Kosten anderer leben lässt.

Gerechtigkeit herrscht dann, wenn jeder Mensch, egal wer er ist und woher er stammt, das bekommt, was ihm gerecht wird. Diese Gerechtigkeit nimmt nicht Maß an anderen sondern sieht den Menschen so, wie er ist. Wenn ich dann Recht auf etwas habe, dann nicht, weil der andere es schon besitzt, sondern weil ich es wirklich zum Leben brauche.

Der Herr ist der Gott des Rechts sagt der Weise Jesus Sirach. Gottes Gerechtigkeit kommt uns oft eigenartig vor. Da scheint es so, dass sich Menschen alles erlauben und dabei noch gut wegkommen, während wir uns anstrengen, Gott zu gefallen, und dann doch alles schief läuft. Ist das Gottes Gerechtigkeit? Gottes ist gerecht, jedoch nicht indem er auf Sünde mit Strafe antwortet und gute Taten sofort belohnt, sondern indem er auf das Gebet der Menschen hört. Gott ist für die Menschen da, auch wenn es ihnen schlecht geht.

Der Zöllner hat das verstanden, deshalb wendet er sich an Gott und bittet, Gott sei mir Sünder gnädig. Gott wird ihm gnädig sein. Wenn wir ihn bitten, dann wird er auch uns erhören.