Kommet und seht!


Kommt und seht! - und die Jünger des Johannes gehen mit! Wer weiß, was sie erwartet haben, hatten sie wirklich Erwartungen?

Ein Werbestratege hätte eine ausgeklügelte Strategie entwickelt, welche die Vorzüge eines Lebens mit Jesus von Nazareth herausstellen würde. Was hätte er zu erzählen? Viel unterwegs, viel Rampenlicht, großartige Reden und umschwärmt von vielen Menschen. Ob er damit die Jünger angesprochen hätte? Wir kennen es aus eigener Erfahrung. Da werden viele lange Erklärungen gemacht, es wird verdeutlicht, begründet und überzeugt. Alles klingt logisch und interessant, doch am Ende kommt nichts an. Wirklich nachhaltig überzeugend war das Ganze nicht. Mich erinnern diese Gedanken an eine Werbung in diesem Sommer. Da sitzt ein Franziskaner gemütlich im Biergarten, vor sich das entsprechende Glas Bier und sieht die Mitglieder des Gemeinderates diskutierend aus dem Rathaus kommen. Sei Kommentar: Reden - nichts als Reden.

Texte, Reden, Gespräche helfen sicher in vielen Bereichen, damit ich an nötige Informationen komme und mein Wissen erweitern kann, doch bleibende Eindrücke hinterlassen die Erfahrungen, die wir machen. Was ich erlebe, betrifft mich anders. Es berührt mich auf einer anderen Ebene und lässt sich nicht mehr wegdiskutieren. Erfahrungen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Wenn ich einem Menschen begegne, werden seine Worte dann in mir nachhallen, wenn er selbst einen Eindruck bei mir hinterlassen hat. Ich werde mich an ihn erinnern, wenn etwas am Anderen mich angesprochen hat.

Andreas kommt heim und berichtet seinem Bruder Petrus nur eines: Wir haben den Messias gesehen. Diese Erkenntnis entspringt nicht einer theologischen Reflexion sondern einer Erfahrung. Die Begegnung mit Jesus hat ihn getroffen und mit ihm ist etwas passiert. Voraussetzung war nicht, dass er sich etwas Konkretes erwartet hatte, sondern dass er sich auf Begegnung eingelassen hat. Andreas war offen für etwas Neues und wurde mit einer Erfahrung belohnt, die er sich nicht erwartet hättet.

Kommt und seht! Jesus lädt die Menschen ein, ihn kennenzulernen. Er macht ihnen nichts vor, sondern nimmt sie mit in sein Leben. Wer will, der darf an seinem Leben teilnehmen. Er darf eine Erfahrung machen. Solch eine Erfahrung scheint uns direkt nicht mehr möglich zu sein. Und doch ist auch uns die Begegnung mit Jesus Christus, mit Gott möglich. Wenn wir in die Texte der Heiligen Schrift lesen, dann haben wir es mit den Erfahrungen zu tun, die Menschen mit Gott gemacht haben. Die Heilige Schrift ist nicht Lesebuch, sondern Lebensbuch, es geht nicht um Informationen oder Geschichten, sondern um einen Erfahrungsschatz. Manche davon sprechen uns an und lösen in uns etwas aus. Wir werden dabei in unserer eigenen Gotteserfahrung berührt. Wir werden mit unserer Erfahrung hineingenommen in das Leben Jesu, nehmen gewissermaßen teil seinem Leben. Es ist unsere Möglichkeit, in das Leben Jesu einzutauchen. In der Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift und in der Feier der Eucharistie können wir unserem Gott begegnen und der Einladung Jesu folgen, kommt und seht!