Gedanken von mir
 


Das ist unser Mann


In Krimis oder Spionagefilmen, auch bei der Suche nach einem neuen Mitarbeiter für einen Betrieb kommt irgendwann der Punkt: Das ist unser Mann! Anhand von verschiedenen Punkten kommt man zu dem Entschluss, dass man nun genau die Person vor sich hat, die man gesucht hat. Eine Rolle spielen Aussehen, Charakter, Verhalten, Wissen und Können. Wenn alles mit unseren Vorstellungen zusammenpasst, dann haben wir unseren Mann vor uns.

Johannes der Täufer sagt heute auch, das ist unser Mann. Das ist der Mann, der von Sünden freimacht, der von Gottes Geist erfüllt ist und zu dem Gott gesagt hat, er ist mein Sohn. Das ist unser Mann, auf den wir solange gewartet haben, nämlich der Messias. In Jesus habe ich unseren Mann entdeckt.

Wenn wir uns Christen nennen, dann ist Jesus Christus unser Mann. Er ist für uns Vorbild und Beispiel, er ist für uns Heiland und Gottes Sohn. Wie Johannes der Täufer sich zu Jesus als dem Messias bekennt, bekennen wir uns als Christen mit unserem Namen zu Jesus, dem Christus. Wie Johannes der Täufer auf Jesus hinweist und für ihn Zeugnis ablegt, so ist es Aufgabe der Christen, ebenfalls auf Jesus Christus hinzuweisen und für ihn Zeugnis abzulegen. Johannes der Täufer musste sich dabei auf sein Gespür für Gott verlassen. Wir haben das Leben und die Offenbarung Jesu. Auf dieser Grundlage können wir Zeugnis ablegen für Gottes Sohn. Es müsste für uns ein Leichtes sein, denn uns wurde erzählt, wer dieser Jesus war und wie er gelebt hat. Johannes sah nach vorne, wir holen Kraft aus der Erinnerung.

Jesu Leben und Botschaft hat einen festen Platz in der Welt bekommen, weil es zu jeder Zeit Menschen gibt, die für ihn Zeugnis geben. Ein Mensch der Zeugnis gibt, ist ein Märtyrer – ein Zeuge – so wird das griechische Wort ins Deutsche übersetzt. Wenn wir von Märtyrern reden, denken wir an Menschen, die ihr Leben für den Glauben gelassen haben, an die so genannten Blutzeugen. Gerade in der Anfangszeit des Christentums waren es viele, die mit ihrem Leben Zeugnis für Jesus Christus gaben. Bis heute gibt es immer wieder Meldungen von christlichen Märtyrern. Denken wir an die ermordeten Christen in Ecuador oder in manchen Regionen Afrikas. Meistens ist es aber nicht der Glaube selbst, der zur Ermordung von Christen führt, sondern ihr Engagement für eine gerechte Welt. Wenn Christen beginnen, sich für Arme einzusetzen und gesellschaftliche Strukturen zu hinterfragen, dann geraten sie offiziellen und inoffiziellen Machthabern in die Quere und werden aus dem Weg geräumt. Besonders bekannte Märtyrer unserer Zeit sind Dom Helder Camera und Oscar Romero, beide ermordet in Südamerika.

In Europa brauchen wir eine derartige Gefahr wenig zu fürchten. Niemand will uns ans Leben, nur weil wir Christen sind. Religion ist eher uninteressant und Privatsache. Zu diesem Thema gibt es ein interessantes Wort vom Philosophen Kierkegard: Wenn Christus heute geboren würde, dann würde er nicht getötet, sondern ausgelacht. Ein interessantes Wort besonders auch dann, wenn man es auf christliches Leben überträgt. Wer sich heute zu Jesus Christus bekennt und nach seinem Beispiel lebt, wird vielfach belächelt und ausgelacht. Das geht los beim „was, du gehst in die Kirche“ bis hin zum Vorwurf, jemand von den ewig Gestrigen zu sein. Jesu Botschaft und Leben scheint so gar nicht in unsere Zeit zu passen. Denn die Ideale, die er lebt und verkündet, widersprechen dem Streben nach Besitz, Macht und Ansehen – Merkmale der heutigen Zeit.

Zwar melden sich in unserer Zeit langsam Stimmen, die davor warnen, dass sich unsere Gesellschaft und unsere Staatenwelt in zwei Klassen teilen – in eine der Reichen und eine der Armen. Diese Stimmen werden zwar irgendwie wahrgenommen, aber etwas in Bewegung bringen sie nicht. Die Klasse der Reichen genügt sich mit ihrer Situation und verdrängt den Gedanken an die Anderen, schließlich ist der Reichtum ja legal erworben. Die Klasse der Armen kann nichts an ihrer Situation ändern. Wer also auf das Missverhältnis unserer Welt hinweist, stößt auf taube Ohren.

Jesus hätte in dieser Welt einen klaren Platz, er wäre bei den Armen. Sein Leben spricht vom Einsatz für die Schwachen, die Erfolglosen, die Unscheinbaren und Armen. Wer heute mit dem Anspruch auftritt, für Jesus Zeugnis zu geben, der kann sich seinen Platz in unserer Gesellschaft nicht frei wählen, er ist durch die Botschaft Jesu festgelegt. Ein Leben, das von der Botschaft Jesu geprägt ist, setzt sich für die Armen ein. Je mehr wir uns für die Randexistenzen unserer Gesellschaft einsetzen, desto mehr werden wir zu Zeugen, die von Jesus sprechen. So ein Leben im Sinne Jesu mag zwar nicht gerade anziehend wirken, aber es wird sichtbar, für wen wir leben, nämlich für Jesus Christus. Schließlich ist es sein Name, den wir tragen.