Auftrag


Johannes der Täufer leitet das öffentliche Wirken Jesu ein. Mit seiner Predigt und Taufe hatte er die Menschen zur Umkehr bewegt und so auf seine Weise auf das Auftreten Jesu vorbereitet. Nun hat Johannes seinen Dienst getan und Jesus beginnt seine öffentliche Tätigkeit. Jesus wird nicht mehr mit Wasser taufen. Er gibt den Menschen seinen Geist weiter. Wer ihm nachfolgt, der wird aus seinem Geist heraus leben. Durch Jesus wird Gottes Geist in der Welt erfahrbar. Diesen Geist erleben die Menschen, die mit Jesus unterwegs sind. Die Jünger Jesu lernen ihn kennen als einen Menschen, der einen Blick für alle Menschen hat. Sie erleben, wie Jesus auch den Menschen Wertschätzung und Achtung entgegen bringt, die von der normalen Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Jesu Leben hat nur eine Botschaft: Gott sieht und liebt jeden Menschen unabhängig von dessen Herkunft und dessen Lebenswandel. Die liebevolle Zuwendung Gottes ist der Geist, der das Leben Jesu bestimmt. Diese Liebe lässt Jesus sogar in den Tod gehen. Gottes Liebe kennt keine Grenzen.

Auch der Tod Jesu beendet diese Liebe nicht. Die Jünger Jesu greifen auf, was bestimmend für ihren Meister war. Sie machen die Gedanken ihres Meisters zu ihrem Lebensinhalt. Jesu Geist wirkt in ihnen weiter. Durch Briefe und Erzählungen und durch ihre Lebensweise geben sie weiter, was ihrem Meister wichtig war. In dieser Haltung schreibt auch der Apostel Paulus am Beginn seines Korintherbriefes davon, dass er zum Apostel berufen wurde. Paulus hatte Jesus nicht mehr gekannt und doch wird er zum überzeugten Verkünder des Evangeliums. Auch die Adressaten seines Briefes haben einen Auftrag. Sie sollen das weitergeben, was ihrem Lehrer Paulus wichtig war und was ihnen wichtig geworden ist. Als Christen bekennen sie sich zu Jesus Christus und seiner Botschaft von der Liebe Gottes. Sie geben weiter, was sie durch Paulus erfahren haben. Das was in Jesus Christus begonnen hat, geht in eine weitere Generation. Man kann nun die Geschichte der von Jesus Begeisterten durch die Generationen weitergehen, man landet schließlich bei uns.

Heute sind wir es, die sich Christen nennen. Auch wir haben von Jesus Christus erfahren. Menschen, denen das Evangelium wichtig war und ist, haben uns in die Gemeinschaft der Christen eingeführt und wir haben den gleichen Geist empfangen, der bereits das Leben Jesu und seiner Jünger geprägt hat. Nun ist es an uns, diesen Geist in die Welt zutragen, indem wir seine Botschaft hören und lesen und sie zum Inhalt unseres Lebens machen. Wir sind die Berufenen, die Zeugnis geben für das, was wir von Gott empfangen haben. Als Christen haben wir unserer Gesellschaft und unserer Zeit etwas zu sagen. Die Botschaft Christi gilt auch heute.

So fordert uns beispielsweise die Frage nach dem Wert und der Würde des Menschen heraus. Jesus behandelt jeden Menschen würdevoll, auch wenn er sich daneben benommen hat. Fehlverhalten fordert zwar entsprechende Reaktion – Grenzen müssen gezogen werden – doch darf dies nie ohne Achtung vor dem Menschen selbst geschehen. Wenn in diesen Tagen heftig über das Thema „Jugendkriminalität“ diskutiert wird, dann ist nur von Strafe und Abschreckung die Rede. Wir sollten aber nicht vergessen, dass eine Wurzel für jugendliches Fehlverhalten in der mangelnder Wertschätzung liegt. Ein Mensch, der selbst als wertlos, als übrig und unnötig behandelt wird, kann kaum lernen, andere Menschen mit Wertschätzung zu behandeln. Wer keine Perspektive für seine Zukunft erhält und wem kein Raum gewährt wird, wo er wirklich leben kann, hat kaum das Gefühl, dass er gebraucht wird oder überhaupt noch wichtig ist. Nur dann, wenn Kinder und Jugendliche erleben dürfen, dass sie uns wirklich wichtig und wertvoll sind und wir in ihnen die Zukunft unserer Welt sehen, dann werden sie auch die Achtung des Menschen lernen und üben. Der erste Schritt aus dieser Misere heraus ist die Achtung des jungen Menschen und die ehrliche Freude darüber, dass es ihn gibt.

Gottes Liebe zu allen Menschen, wie sie von Jesus Christus vorgelebt wurde, ist die Wurzel sowohl für die Würde jedes Menschen. Mit unserer Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen fordern wir die Welt heraus, denn sie macht Menschenwürde einklagbar. Unsere Botschaft für die Welt lautet, jeder Mensch ist wertvoll und wichtig, denn er ist Gott wichtig. Deshalb verdient er unsere Wertschätzung. Wer in dieser Haltung lebt, der lebt aus dem Geist Christi.