Gedanken von mir
 

Bereitet dem Herrn den Weg

Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen – unebene Straßen kennen wir kaum mehr. Vielleicht ärgern wir uns über das Kopfsteinpflaster, das die Federung unserer Autos testet und für die Anwohner störenden Lärm verursacht, oder wir ärgern uns darüber, wenn uns als Fahrradfahrer der Isarweg durchrüttelt. Auch wer im Sommer nach dem Hochwasser an der Isar entlang spazieren gehen wollte, der hatte so seine Schwierigkeiten. Das Isarwasser hatte die Wege der Promenade ziemlich in Mitleidenschaft gezogen und so manche Barriere errichtet. Mutter Natur hatte uns einiges in den Weg gelegt. Es wurde notwendig, die Wege wieder frei zu machen, damit man ungehindert entlang gehen konnte.

Wege mit ihren kleinen und großen Hindernissen können zum Bild werden für die Beziehung des Menschen zu sich selbst, zum anderen und damit zu Gott. Auch hier gibt es so manche Unebenheit, so manches Hindernis, das im Weg liegt.

Wir kennen Hindernisse auf dem Weg zu uns selbst. Manchmal reden wir davon, dass wir uns selbst im Weg sind. Erfahrungen, die nicht aufgearbeitet sind, Mutlosigkeit, die uns daran hindert Schritte ins Ungewisse zu gehen, Verhaltensweisen, die uns selbst ärgern, liebgewonnene Angewohnheiten, Bequemlichkeit, … und viele andere mehr sorgen dafür, dass der Weg zu uns selbst ziemlich unbequem und manchmal sehr verbaut ist. Der Weg dahin, dass wir so werden, wie wir wirklich sind und wie wir von Gott gedacht worden sind, ist schwer zu gehen. Wir wissen auch, dass es so manches gibt, was zwischen uns und anderen liegt. Vorurteile, Neid, Missgunst, Misstrauen … und so weiter. Hindernisse finden wir genügend und es ist nicht leicht, diese Unebenheiten und Verwerfungen einzuebnen.

Der Weg zu uns selbst und der Weg zum anderen sind die Wege, auf denen Gott auf uns zukommt. Es sind die Wege von denen die Propheten Johannes und Jesaja sagen, bereitet den Herrn den Weg, Ebnet ihm die Straßen.

Hindernisse auf dem Weg kann ich beiseite räumen, ich kann Steine mit den Füßen wegschieben. Ich kann sie aber auch in die Hand nehmen und anschauen, was mir da im Weg liegt. Wenn Straßenbauer einen Weg bauen, dann räumen sie nicht einfach alles zur Seite, was ihnen in den Weg kommt. Sie nehmen vielmehr alles, was sie brauchen können und verwenden es für ihren Wegebau. Ebene Wege entstehen, indem man das Material von Erhöhungen in die Vertiefungen füllt und so Höhen und Tiefen ausgleicht.

Wenn wir dem Herrn den Weg zu uns ebnen wollen, dann heißt das nicht einfach alles beiseite zu räumen, sondern viel eher das, was stört in die Hand zu nehmen und anzuschauen. Wir können nicht einfach Teile unseres Wesens wegstreichen. Vielmehr müssen wir die verschiedenen Seiten unseres Wesens in unser Leben hineinnehmen. Sie gehören ja zu uns wie die Teile eines großen Mosaiks. Steine bleiben solange Hindernisse, solange wir uns nur gegen sie wehren oder uns über sie ärgern. Wenn wir sie aber in die Hand nehmen und ansehen, dann können wir uns auch überlegen, wo sie einen guten Platz in unserem Leben bekommen. Indem wir sie annehmen, werden sie zum Baustein unseres Lebens.

Wenn wir im Sinne Johannes des Täufers umkehren, dann bedeutet das nicht Abkehr sondern Hinwendung zum Leben. Wir drehen uns nicht von uns weg, sondern drehen uns zu dem hin, der unser Leben ist. Dabei nehmen wir uns selber mit. Das braucht seine Zeit. Wir brauchen dazu viel Geduld und die Bereitschaft uns selbst zu hinterfragen, Wir müssen aber Hand anlegen, sonst bleiben die Steine Hindernisse und werden nicht zur Straße, auf der wir gehen können.

Wer mit diesem Weg der Umkehr beginnt, merkt schnell, dass das nicht allein geht. Es ist jemand nötig, der mitgeht und uns eine Idee gibt, wie wir die Steine verwenden können, die so im Weg sind.

Gott bietet uns dazu seine Begleitung an. Er zeigt uns einen Weg auf, den wir gehen können. Seine Hilfe hat den Namen Liebe. In diesen Tagen warten wir darauf, dass Gottes Wort in die Welt kommt. Es ist nichts anderes als die Liebe, die in die Welt kommt und Mensch wird.

Diese Liebe ist es, die uns dabei hilft, den Weg des Herrn zu ebnen. Wenn wir mit Liebe uns selbst ansehen, beginnen wir einen Weg, auf dem sich Hindernisse in Wegsteine verwandeln. Wir bekommen Mut, uns selbst anzusehen und uns zu wandeln, wandeln zu lassen. Die Angst vor unseren unbekannten Seiten verschwindet und wir entdecken den Reichtum, der sich oft hinter Dunklen Steinen verbirgt. Was für die Beziehung zu uns selbst gilt, gilt auch für die Beziehung zu anderen. Sind Vorurteile und Ablehnung einmal aufgebrochen, können wir den Reichtum entdecken, der in jedem Menschen steckt.

Die Liebe, Gottes Wort, ist es, die uns hilft mit den Steinen auf dem Weg des Lebens zu leben. Sie öffnet mir den Weg zum mir und zum andern und macht fähig zur Umkehr, zur Hinwendung zum Leben. Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet ihm die Straßen. Machen wir uns auf, damit der Herr bei uns ankommen kann auf dem Weg zum mir selbst und unseren Wegen zu den Menschen.