Gedanken von mir
 


Taufe allein bringt's nicht


Sich Kind Abrahams nennen zu dürfen, ist gleich zu setzen mit ganz hoch in der Gunst Gottes stehen. Schließlich kann man seine Herkunft mit einer Person verbinden, der als Vater des Gottesvolkes gilt.

Zu Johannes kommen Männer, die sich zu Recht als Kinder Abrahams verstehen und müssen sie sich jetzt anhören, dass ihnen das gar nichts hilft. Wenn es Gott will, dann werden Steine zu Kindern Abrahams, hält ihnen der Täufer entgegen. Es wird nicht ihre Abstammung sein, die ihnen das Heil bringt, sondern die Auseinandersetzung mit dem, der nach Johannes kommen wird, mit Jesus Christus, dem Gottessohn. Abstammung von Abraham und die Taufe des Johannes allein genügen nicht, um vor Gott auf der sicheren Seite zu sein. Sie sind allenfalls äußere Zeichen einer inneren Einstellung, die sich im konkreten Leben zeigt.

Johannes der Täufer hat eine besondere Sendung. Er tritt auf als der große Umkehrprediger und rüttelt so die Menschen auf. Als Vorläufer Jesu soll er den Boden bereiten, in den schließlich Gottes Wort fallen wird, wenn es in Christus in die Welt kommt. Johannes weiß um seinen Auftrag. Er wird immer im Schatten dessen bleiben, dem er voraus geht. Seine Aufgabe ist es, die Menschen zur Umkehr aufzurufen und sie auf den Weg zu bringen. Wohin dieser Weg aber gehen und wie dieser Weg aussehen wird, das hat ein anderer zu sagen. Der Täufer tauft nur mit Wasser, mit Feuer und Hl. Geist wird dann Jesus Christus taufen. An diesem werden sich die Geister scheiden und dann wird sich zeigen, wer zu Christus gehört und wer seiner eigenen Wege geht.

Durch Christus sind wir mit Feuer und Heiligem Geist getauft. Damit sind wir in gewisser Weise vorbelastet. Ähnlich wie die Pharisäer sich zu recht als Kinder Abrahams verstehen, dürfen wir sagen, wir sind Kinder Gottes. Damit laufen wir Gefahr, dass wir ähnlich wie die Ältesten Israels uns genügen und vermuten, wir hätten das Heil schon in der Tasche. So gedacht, wäre die Taufe nur ein magisches Ritual. Als Getaufte müssen wir uns ebenfalls die Worte des Täufers gefallen lassen. Die Taufe allein ist nicht alles. Sie ist zwar eine Grundentscheidung für ein Leben mit Christus, aber ob wir diese Entscheidung wirklich getroffen haben, wird sich erst durch unser Leben zeigen. Auch heute scheiden sich am Jesus Christus die Geister. Ich kann seine Botschaft ernst- und annehmen, ich kann sie auch beiseite lassen. Mein Leben wird zeigen, wie ich mich entschieden habe.

Der Apostel Paulus nennt ein Beispiel, wie ein Leben aus der Entscheidung für Gott heraus aussieht. Er spricht von der Hoffnung, die aus der Schrift spricht und stützt sich auf die Worte Jesu. Auf ihn beruft er sich, wenn er feststellt, dass die Heiden Gott um seines Erbarmens willen rühmen.

Mit Jesus Christus hat sich das Denken über Gott grundsätzlich verschoben. Seine Offenbarung bringt Gott als den Barmherzigen ins Spiel. Nicht mehr das Gesetz bestimmt das Handeln des Menschen, nicht mehr das ängstliche Fragen, ob ich denn jeden Paragraphen erfüllt habe, sondern die Liebe, das Gegenteil der Angst. In Jesus Christus hat sich gezeigt, dass ich Gott nicht mehr voller Angst fürchten muss. Das Gesetz der Angst ist abgelöst worden vom Gesetz der Liebe. In diesem Punkt scheiden sich an Christus die Geister. Lebe ich aus der Angst heraus oder lasse ich mich durch die Liebe tragen? Lasse ich durch meine Macht meine Mitmenschen zittern oder nehme ich sie in ihrer Eigenart an und erweise ich ihnen meinen Respekt?

In Jesus Christus hat Gott uns Menschen angenommen – nicht durch Angst, sondern in Liebe. Voller Liebe tritt er an jeden von uns heran und nimmt ihn an, bedingungslos - so wie wir eben sind. Auch wenn das schwer zu verstehen ist und uns oft ungeheuerlich vorkommt, Gottes Liebe kennt keine Bedingungen und macht nie Angst.

So wie Gott uns angenommen hat, so sollen wir unsere Mitmenschen annehmen. Wenn wir uns auf Gottes Liebe einlassen und deshalb unsere Mitmenschen in ihrer Eigenart annehmen, dann sind wir auf dem Weg Jesu. Dann wird er als unser Vorbild in unserem Leben erfahrbar.

Wir wissen, dass es gar nicht so einfach ist, den anderen wirklich anzunehmen. Es geschieht schnell, dass wir jemanden verurteilen und ihm das richtige Denken absprechen. Wenn wir uns aber an die Worte Jesu halten, dann gilt es den anderen in seiner Eigenart anzunehmen. Ihn annehmen verlangt von uns nicht, dass wir uns sein Denken zu Eigen machen, aber es gilt ihn zu respektieren. Das war der Weg Jesu und wenn wir uns wirklich für ihn entschieden haben, müsste es auch der unsere sein.

Diesen Weg einzuschlagen, dazu befähigt uns die Taufe mit Feuer und Heiligem Geist. Unsere Taufe wird aber nur ein äußeres Zeichen bleiben, wenn sie uns nicht durch und durch formt und prägt. Je mehr uns das Feuer der Taufe Christi ergreift, desto mehr werden wir von seiner Liebe ergriffen und erfüllt. Diese Liebe ist es, die uns dann dazu befähigt und drängt uns selbst und unsere Mitmenschen anzunehmen und ernst zu nehmen. Dann wenn wir aus Gottes Liebe heraus auf unsere Art die Liebe leben, dann werden wir wirklich unserer Berufung gerecht, nämlich Kinder Gottes zu sein.