Gottes Steuern


Ist das heutige Evangelium nicht ein Schriftwort, das in den Ohren des Finanzamtes wohlklingen muss? Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, oder zeitgemäß gebt dem Staat, was dem Staat gehört! Auch wenn immer wieder ein allgemeines Stöhnen durch die Reihen des Volkes geht, nämlich dann, wenn sich die nächste Steuererhöhung ankündigt, wird doch kaum jemand prinzipiell die Abgaben an den Staat in Frage stellen. Sowohl Staat wie Kirche erbitten einen Beitrag zum Gemeinwohl. Solange sie es für das Wohl aller einsetzen, ist nichts dagegen einzuwenden. Dieser offenen Hand ist eh kaum zu entkommen. Das gilt heute wie damals und das war auch den Gegnern Jesu klar. Deshalb ließ sich leicht eine Falle aufstellen. Entweder ungesetzlich oder unpopulär - Jesus kann eigentlich nur verlieren. Doch er antwortet geschickt. Der Anspruch des Staates scheint gerechtfertigt. Schließlich stammt die Münze ja aus den Geldprägereien des Staates - damals wie heute -.

Jesus hat sich also geschickt aus der Affäre gezogen. Doch damit nicht genug. Er setzt noch eines drauf und bringt damit seine Gegner ins stottern. Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist aber gebt auch Gott, was Gott gehört! Es gibt also noch eine Instanz, die etwas zubekommen hat. Nämlich Gott und ihm ist auch der Kaiser verpflichtet.

Was dem Kaiser gehört, scheint klar, aber was Gott gehört? Im Buch Jesaja hörten wir Gottes Wort: Ich bin der Herr und sonst niemand; außer mir gibt es keinen Gott. Ich habe dir den Gürtel angelegt usw. Gott allein ist Herr der Welt. Er ist Herr über Himmel und Erde und Herr der ganzen Schöpfung. Gott ist auch Herr der Menschen, denn er hat alles ins Leben gerufen. Gott geben, was Gott gehört, kann heißen, ihn zu sehen und zu akzeptieren als Ursprung unseres Lebens. Gott will, dass es die Welt gibt, er hat sie geschaffen und steht hinter ihr. Gott ruft auch uns ins Leben, weil er will, dass es uns gibt, deshalb verdient er auch einen Platz in unserem Leben. Unser Papst schreibt über das Glauben, dass sich der Mensch dafür entscheiden muss, nicht nur das Sichtbare zu sehen und anzuerkennen, sondern auch das Unsichtbare und Unfassbare, nämlich Gott. Ich gebe Gott dann, was ihm gehört, wenn er eine feste Größe in meinem Leben sein darf. Der Mensch kann zwar mit seinem Forschungsdrang vieles erklären und vieles entdeckt doch wirklich ohne Gott denkbar ist die Welt und ist der Mensch nicht. Der Glaube an Gott allein kann dem Menschen einen Stand und Halt geben auch über das menschlich mögliche hinaus.

Gebt Gott, was Gott gehört: Von Gott ist uns das Leben gegeben worden. Wenn wir unser Leben gestalten, dann dürfen wir dabei nicht den Blick für die Menschen und für die Schöpfung verlieren. dafür, wie wir mit unserem Leben umgehen. Gott gehört eine Verantwortung darüber, wie wir mit unserer Welt, mit unseren Mitmenschen und unserer Natur umgehen. Denn wir sind Gott gegenüber für unser Leben verantwortlich. Was geschieht, wenn Menschen ihrer Verantwortung Gott gegenüber nicht gerecht werden, erleben wir in Beispielen wie der Klimadebatte, der Diskussion um die Ausbeutung der Natur - eben ging es wieder einmal um die Folgen der Überfischung - oder der aktuellen Finanzkrise. Immer wieder vergessen Menschen, dass sie mit ihrem Leben eine Verantwortung übernommen haben. Sie meinen, sie könnten nur für sich leben und vergessen, dass es auch die anderen gibt und dass es Gott gibt. Gott geben, was ihm gehört, bedeutet, den Blick dafür nicht zu verlieren, dass er der Herr der Welt ist, der Schöpfung wie der Menschen.

Gebt Gott, was Gott gehört, wenn Leben unter diesem Gesichtspunkt gestaltet wird, dann lebt der Mensch verantwortlich, denn er sieht seine Rolle in der Welt und für die Welt und er weiß, dass hinter allem was existiert Gott selbst zu finden ist. Der Mensch gibt Gott die Ehre, denn er sieht Gott als den Herrn der Welt.