Gedanken von mir
 

Wir sind Kirche!

Wir sind Papst, so titelte die Bildzeitung nach der Wahl Benedikts XVI. Wir sind das Volk, so lautete der Schlachtruf der Demonstrationen gegen die HartzIV-Reform. Wir sind Kirche, so nennt sich eine kirchliche Gruppierung, die sich als Opposition zu den Amtsträgern unserer Kirche versteht. Wir sind? Lassen wir uns so leicht vereinnahmen? Ich meinerseits fühle mich weder als Papst, noch als das Volk der Demonstrationen und noch als Wir sind Kirche im obigen Sinn. Wenn wir jedoch heute Kirchweihsonntag feiern, dann kann ich mich sehr wohl als „Wir sind Kirche“ fühlen. Denn es stimmt! Wir, die wir hier sitzen, sind Kirche und zu dieser Kirche gehören noch viele Menschen dazu. Ereignisse wie der Weltjugendtag im Sommer dieses Jahres bringen uns das Gefühl, zu einer großen weltweiten Gemeinschaft zu gehören. Uns verbindet dabei der Glaube an Jesus Christus.

Leider wird uns dieses Bekenntnis zu Jesus Christus immer wieder schwer gemacht. Ähnliches hören wir im heutigen Evangelium. Die Pharisäer kommen zu Jesus mit einer delikaten Frage. Eben war vom römischen Kaiser eine Steuer eingeführt worden. Die Frage nach den Steuern bietet eine gute Gelegenheit, Menschen in die Unliebsamkeit zu führen und sie zu isolieren. So versuchen es auch die Pharisäer. Sie wissen um die Unmöglichkeit, sich gegen den Kaiser zu wenden, und sie wissen, wie es in den Ohren der Anhänger Jesu klingen muss, wenn er für eine Steuer spricht. Es bietet sich also eine gute Gelegenheit, Jesus bei den Menschen schlecht zu machen. Die religiösen Führer starteten den Versuch, einen Keil zwischen Jesus und seine Zuhörer zu treiben. Es funktioniert jedoch nicht, wie wir im Evangelium hören. Jesus hat sich geschickt aus der Affäre gezogen.

Leider wir auch in unserer Kirche versucht, Menschen zu spalten. Man möchte gerne sortieren in rechte und linke Katholiken, in Konservative und Progressive, in gute und schlechte Christen, … Menschen erliegen der Versuchung, andere in bestimmte Kategorien zu sortieren. Doch wie Jesus sich damit zurückhielt, Menschen in Schubladen einzuteilen, so muss es jedem Christen widerstreben, andere in Gruppen zu sortieren und sie damit abzuqualifizieren. Jesu Wirken hat Menschen in die Gemeinschaft hereingeholt und sie nicht ausgegrenzt.

Wenn es allen ums Evangelium geht, um die Verkündigung der frohen Botschaft, dann kann es keine Polarisierungen geben. Dann muss es uns um das Gemeinsame gehen, nicht um das Trennende, denn das Evangelium ist ein Geschenk, das Menschen zusammenführt.

Wir sind Kirche, nämlich die, die die Verkündigung des Evangeliums auf ihre Fahnen geschrieben haben und sich für das Evangelium einsetzen. Kirche hat sich schließlich gegründet, indem Menschen damit begonnen haben, sich mit dem Evangelium auf den Weg zu machen, beschenkt mit dem Hl. Geist und getragen von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Wenn wir uns als Kirche verstehen, dann kann das nur auf dieser Basis sein. Dann muss uns aber jeder Versuch und jede Tatsache traurig stimmen, die uns als Kirche zu spalten versuchen. Auseinandersetzungen zwischen Katholiken müssen uns ebenso schmerzen wie die Auseinandersetzungen der verschiedenen Konfessionen. Als Kirche Jesu Christi muss es uns wehtun, wenn Christen nicht miteinander können und sich ihre Unterschiede vorwerfen. Schließlich haben wir einen gemeinsamen Ursprung und einen gemeinsamen Auftrag.

Heute an Kirchweih rückt das Verbindende unseres Glaubens in den Mittelpunkt unseres Feierns. Wir erinnern uns daran, dass wir in der Taufe durch den Hl. Geist verbunden wurden. Wir erinnern uns daran, dass wir mit dem Auftrag zur Verkündung des Evangeliums gemeinsam auf den Weg geschickt worden sind. Wir erinnern uns, dass wir Gemeinschaft derer sind, die Christus glauben. Wir erfahren uns dabei als Gemeinschaft, die zwar durch Gott verbunden ist, aber viele Gesichter hat, weil jeder von uns dem Glauben sein eigenes Gesicht gibt. Wir sind Kirche heißt nicht, Einheitsbrei, sondern Vielfalt und Buntheit. Auch wenn wir uns schwer tun, Menschen anzunehmen, die scheinbar anders glauben als wir, so macht doch gerade das den Reichtum des Christentums aus. In seiner Unterschiedlichkeit wird der Glaube des Anderen für uns zum Geschenk. Als Gemeinschaft mit vielen Gesichtern wird Kirche zum Erlebnis für uns. Sie wird zu einer Reise, auf der wir uns gegenseitig mit unserem Glauben beschenken dürfen. So ist Kirche dann nicht mehr ein starres Gebilde, sondern sie ist Leben. Sie wird zum Ort, wo Gott wohnt, zum Ort wo Gott mit den Menschen ist.

Jesus antwortet den Pharisäern: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebt Gott, was Gottes ist. Kirche und damit die Menschen, die Kirche sind, gehören Gott. Wir selbst gehören Gott. Wir geben Gott, was Gottes ist, wenn wir uns auf das Projekt Kirche einlassen und so zu Menschen werden, die mit ihrem Gott unterwegs sind. Dann wird Kirche zur Gemeinschaft vieler Menschen mit dem einen Gott und diese Gemeinschaft wird voller Überzeugung sagen Wir sind Kirche.