Eingeladen zum Leben


Wer schlägt schon gern die Einladung zu einem so schönen Fest wie das einer Hochzeit aus, noch dazu, wenn es ein Königssohn ist, der einlädt? Wenn nicht gerade wirklich wichtige Gründe dagegen sprechen, wird man doch gerne zu so einem Fest gehen. Ich glaube nicht, dass die normale Alltagsarbeit Grund genug wäre, auf solch eine Gelegenheit zu verzichten. Der Bräutigam in der Geschichte, die Jesus erzählt, macht eine andere Erfahrung. Der Hochzeitslader hat geladen, wie es scheint, haben die Gäste auch zugesagt, aber dann kommen sie doch nicht.

Jesus erzählt diese Geschichte als Bild für das Himmelreich. Natürlich kann man hier an den Gottesdienst denken, an die Begegnung mit Gott, zu der wir eingeladen sind. Dieser Einladung seid ihr heute bis hier herauf nachgekommen.

Ich kann auch sagen, die Einladung im Evangelium ist eine Einladung zum Leben. So gesehen werden viele sagen, ich habe die Einladung zum Leben angenommen und lebe, so wie ich will. Doch wenn ich nur so lebe, wie ich will, dann habe ich die Einladung zum Leben zwar angenommen, ich bin aber trotzdem nicht auf das Fest gegangen, denn Leben spielt sich nicht im leeren Raum ab. Leben hat mit Antwort und Verantwortung zu tun.

Wenn ich daran glaube, dass mir das Leben von Gott geschenkt ist, dann darf ich mich darüber zunächst von Herzen freuen. Das Leben zu haben ist einfach schön. Doch ist mir mit dieser Gabe auich Verantwortung übertragen worden. Unser Leben ist ohne Beziehungen nicht denkbar. Sowohl die Beziehugn zu uns selbst als auch zu unseren Mitmenschen, zur Schöpfung als auch zu Gott bilden das Grundnetz, in dem unser Leben eingebunden ist. Damit wird deutlich, dass der Mensch eben nicht nur einfach leben kann. Er steht in Verbindung zu seiner Umwelt und sein Leben hat immer Auswirkungen auf die Welt in der er lebt. Wenn ich nur mich im Blick habe, lebe ich schnell auf Kosten anderer. Auf die Einladung zum Leben zu antworten heißt, das Netz unserer Beziehungen zu sehen und die Verantwortung wahrzunehmen, die ich für meine Umgebung habe. Im Großen haben wir es gerade erlebt, was geschieht, wenn wenige nur ihren eigenen Profit sehen. Dass die Finanzwelt Panik schiebt, hat ihren Grund darin, dass wenige nur noch ihre Vorteile sahen und ihnen die anderen egal waren. Im Kleinen liegen die Möglichkeiten oft direkt vor unserer Türe. Antworten finde ich bereits dann, wenn ich mir die Frage stelle, welchen Raum ich denn meiner Familie oder anderen Menschen lasse, mit denen ich lebe?

Oder : der WEg hierher zur tölzer Hütte führt uns die Schöpfung in ihrer fast unberührten Schönheit vor Augen. Hier Verantwortung wahrnehmen bedeutet eine Antwort auf die Frage zu versuchen, wo wir mithelfen können, dass unsere Schöfung nicht zerstürt wird.

Es gibt viele Gelegenheiten, die Verantwortung für usner Leben wahrzunehmen, so viele, dass es viel zu sein scheint. Dann sehen wir uns überfordert. Doch ich glaube an die kleinen Schritte. Wenn ich auf dem Weg hierher nur den gesamten Weg im Blick habe, dann ist das ewig weit.
Wenn ich aber einen Schritt vor den anderen setze, dann bin ich plötzlich am Ziel. Unsere Einladung zum Leben anzunehmen und sich der Verantwortung für unser Leben zu stellen heißt, unsere kleinen Möglichkeiten zu sehen und wahrzunehmen. Das Ergebnis wird uns wohl alle überraschen.