Lieber spät als gar nicht


Wer kennt die Erfahrung nicht, die Jesus als Beispiel erzählt? Da kommt jemand mit einem Anliegen zu uns und wir lehnen ab. Und dann fangen wir an zu grübeln! Wieso haben wir denn nicht ja gesagt? Vielleicht war es der falsche Moment, Stress oder Ärger lag in der Luft, unsere Gedanken waren wo anders oder wir fühlten uns überfallen. Es können ganz verschiedene Gründe sein - berechtigte und unberechtigte - das Ergebnis bleibt gleich. Wir haben Nein gesagt und es tut uns leid. Wenn es dann noch geht und wir den nötigen Mut fassen, dann handeln wir so, wie der zweite Sohn. Es reut uns und wir tun, was von uns gewünscht wird. Meistens ist die Sache damit erledigt. Dankbarkeit überwiegt die Verwunderung über unseren plötzlichen Sinneswandel und niemand denkt mehr an unsere ablehnende Haltung.

Im Sinne des Evangeliums haben wir Schritte vollzogen, die auch helfen, wenn es um Schuld und Umkehr geht. Jesus hebt die Zöllner und Dirnen nicht deshalb hervor, weil sie einen tadellosen gesetzestreuen Lebenswandel führen. Beide Bevölkerungsgruppen sind auch in den Augen Jesu nicht direkte Anwärter auf das Himmelreich. Was er an ihnen hervorhebt und was sie auf den richtigen Weg kommen lässt, sind ihre Bereitschaft zu Selbsterkenntnis und Umkehr. Nicht zu Unrecht lautet ein Sprichwort, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Wenn es uns leid tut, weil wir jemanden eine Absage erteilt haben, dann haben wir ja schon erkannt, dass wir einen Fehler gemacht haben. Das ist der erste Schritt in Richtung Himmelreich. Der Mensch muss sich von seiner Selbstherrlichkeit verabschieden, von seinem Selbstbewusstsein, dass er alles richtig macht. Dieser Schritt steht am Anfang jedes Umkehrweges. Wer ihn nicht geht, verpasst die Chance, die er hätte. Selbstherrlichkeit verhindert heilsame Veränderung und Wachstum. Schließlich ist ja schon alles OK - frei nach dem Slogan "ich bin ok und du bist ok, dann steht ja alles zum besten". Es wird aber kaum ein Mensch von sich ehrlich behaupten können, dass alles ok ist, ohne sofort große Schuldgeschichten zu vermuten.

Selbsterkenntnis eröffnet einen Weg, der es zulässt, Schuld und Vergehen zu sehen und sie als etwas anzunehmen, das zu uns gehört. Ist uns das gelungen, können wir langsam weitergehen. Wir können die Chance nutzen unser ablehnendes Wort ungesagt zu machen. Der Weg der Umkehr eröffnet uns eine neue Chance. Unser Fehlgriff bedeutet nicht das Ende.

Was hindert daran, solch eine Chance zu nutzen? Selbstherrlichkeit ist ein Punkt, fehlendes Eingeständnis, dass nicht alles so in Ordnung ist, wie wir es gerne hätten. Ein weiterer Punkt ist die Angst, sein Gesicht zu verlieren. Es wird ja gerne ein Image gepflegt, das uns eine weiße Weste beschert. Haben wir dann einen kleinen Fleck entdeckt, dann versuchen wir erst einmal, ihn einfach zu verbergen, ihn so zu verstecken, dass niemand ihn bemerkt. Wir wollen verhindern, dass jemand seine gute Meinung von uns ändert - auch wenn sie auf falschen Tatsachen beruht. Wieder verbauen wir uns die Chance auf einen neuen Anlauf, unseren Fehler gut zu machen. Doch wäre es wirklich so schlimm, den Flecken an der weißen Weste zuzugeben? Ehrlichkeit gegenüber mir selbst und gegenüber anderen bringt in der Regel mehr Achtung als eine weiße Weste, die eh niemand so recht glauben mag. Es gäbe also keinen Grund, sich nicht auf den Weg der Umkehr zu machen.

Jesus wirbt für diesen Weg der Umkehr. Auch wenn wir uns vielleicht auch Gott gegenüber verweigert haben, ist uns der Weg zum Heil nicht verbaut. Es braucht nur unsere Einsicht und unsere Bereitschaft zur Umkehr. Wenn wir diesen Mut aufbringen, dann steht uns der Weg ins Leben offen, und das nicht nur im Himmel, sondern schon auf der Erde, denn auch bei den Menschen zählt zum Schluss, was wir getan, nicht was wir versprochen haben.