Gedanken von mir
 

Christ Sein!

Recht haben die Zuhörer Jesu, aufs Tun kommt es an, nicht aufs Reden! Doch ganz so einfach ist es nicht. Wir kennen uns selbst genug, so dass wir uns in die beiden Söhne im Evangelium hineindenken können. Der Erste sagt zu. Vielleicht wollte er es dem Vater recht machen, vielleicht scheut er die Enttäuschung oder Auseinandersetzung mit ihm, so dass er seine Bitte nicht abschlagen kann. Vielleicht will er einfach nur gute Stimmung machen oder sich einen guten Ruf erhalten. Vielleicht erkennen wir uns in seinem Verhalten, weil auch wir nur ungern im schlechten Licht erscheinen oder uns einfach nicht trauen, Nein zu sagen. Doch wenn es dann ans Tun kommt, dann müssen wir kneifen.

Auch die Situation des Zweiten kennen wir. Er lehnt ab, doch dann reut es ihn. Wir können es ihm nachfühlen. Wir haben den Wunsch eines Menschen abgeschlagen, er geht weg und uns plagt das schlechte Gewissen. Hätten wir nicht doch nachgeben sollen? Die Gründe für unsere Absage sind vielschichtig. Sie können gut begründet sein. Vielleicht konnten wir gar nicht anders antworten, trotzdem fragen wir uns, ob wir nicht doch hätten helfen können. Manchmal schwenken wir dann um und der andere wundert sich.

Jesus fragt seine Zuhörer, wer hat sich besser verhalten? Die Antwort ist eindeutig: der, der gehandelt hat. Diese Antwort wäre auch die unsere. Es zählt mehr, was jemand tut, als was er sagt. Menschen werden, mehr nach ihrem Tun als ihrem Reden beurteilt. Auch wenn es ungut ist, ein Nein zu hören, wir werden es eher annehmen, als ein Ja, das keine Tat zur Folge hat.

Jesus hat bei seiner Geschichte uns Menschen klar vor Augen, nicht nur in unserem Verhalten anderen gegenüber, sondern auch Gott gegenüber. Auch im Glauben gibt es Ja- und Nein-Sager.

Ja-Sager sind Menschen, die als Elitechristen auftreten und betonen, wie toll sie ihren Glauben leben - durch besonders häufiges und intensives Beten. Meistens wissen sie auch genau, wie andere ihr Christsein zu praktizieren haben, doch wenn es um ihr christliches Handeln geht – Fehlanzeige. Ja-Sager versäumen es, die Brücke zu schlagen zwischen Glauben und Alltag. Ihr Christsein endet an der Kirchentüre und hat mit dem Leben nicht viel zu tun.

Nein-Sager lehnen Gott vielleicht ab. Vielleicht wollen sie nichts mit ihm zu tun haben oder er ist ihnen einfach egal. Sie werden nicht von Gott reden, doch sieht man sich ihr Leben an, dann leben sie christlicher als viele Christen.

Zu welcher Gruppe gehören wir? Ideal wäre, wenn wir zu beiden gehörten, indem wir Ja sagen zu Gott und als Christen leben.

Unser Ja sagen wir immer dann, wenn wir uns zu Jesus Christus bekennen, mal in aller Öffentlichkeit mit dem Glaubensbekenntnis mal für uns selbst in unserem persönlichen Gebet. Mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus verbindet sich auch das Bekenntnis zu seinem Wort und damit zum Zeugnis der Heiligen Schrift. Zu diesem Ja muss auch das Handeln kommen.

So manchem Prediger können Menschen nicht mehr zu hören, weil sie ihm innerlich vorwerfen, dass er nicht das lebt, was er predigt. Gleiches gilt für jeden, der sich als Christ bezeichnet und versteht. Nicht im Reden erweist er sich als Christ, sondern in seinem Verhalten anderen Menschen gegenüber. Unser Christsein bekennen wir, wenn wir es leben. Worte sind da nicht so wichtig.

Paulus stellt uns Jesus als Vorbild vor Augen. Jesus hat sich von seinem Platz bei Gott hinab begeben in die Wirklichkeit des Menschseins und hat sich hier zum Sklaven gemacht. Ihm ging es nicht um Ansehen und Macht sondern um den Dienst an den Menschen. Das ist es, was wir Demut nennen. Es gehört sicher nicht zu den einfachen Übungen unseres Lebens, sich die Demut vorzunehmen, auch wenn es der Weg Jesu ist. Der Mut sich selbst zurückzunehmen, damit auch der andere seinen Platz in unserer Welt findet, gehört nicht gerade zu den großen Stärken unserer Zeit. Viel zu groß ist die Angst, wir könnten zu kurz kommen, das Leben könnte an uns vorbei gehen und wir könnten in die Röhre blicken.

Ja sagen zu Gott bedeutet, sich seine Bestätigung nicht von den Menschen sondern von Gott zu holen. Wer Gottes Ja im Rücken hat, der hat auch die Kraft sich selbst zurückzunehmen, damit auch der Andere zum Zug kommt. Der wird fähig, so zu leben wie Paulus es sagt: in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.