Lebensziel?


Was ist das Ziel unseres Lebens? Ob es eine Katechismusantwort auf diese Frage gibt, weiß ich nicht. Dazu bin ich zu jung. Doch eine in meinen Augen sinnvolle Antwort wäre: Gott suchen und finden. Manch einer, wahrscheinlich viele werden diese Antwort als fromme Antwort abtun. Sie sehen die Suche nach Gott sicher nicht als Ziel ihres Lebens. Ihre Ziele sind vielleicht Glück, Zufriedenheit, Geborgenheit, Frieden, Ruhe, Es gibt vieles, wonach die Menschen suchen und manche Suche beendet der Mensch auch erfolgreich - um dann weiterzusuchen, nach dem nächsten Ziel.

Theresa von Avila sagt auch: unruhig ist meine Seele, bis sie Ruhe findet in Gott. Erst wenn der Mensch in Gott ruht, wird seine Suche zu Ende sein. Dann ist er am Ziel seines Lebens angelangt. Ich glaube, es sind viele Menschen auf der Suche nach Gott, auch wenn sie es nie so sagen würden. Die Sehnsucht nach Gott scheint zum Wesen des Menschen zu gehören, auch wenn es nicht immer das christliche Gottesbild ist, das der Mensch zu finden hofft.

Auf dem Weg ihrer Gottsuche gehen Menschen verschiedenste Wege. Diese Wege sind meist nicht gerade. Es gibt Spitzkehren, enge Kurven und manche Sackgasse, die dann zur Umkehr zwingt. Menschliche Biografien kennen Brüche und Umkehrmomente und manche scheint kein wirkliches Ziel zu kennen. Es gibt auch Menschen, die haben sich vielleicht gar nicht auf die Suche nach einem Lebensziel gemacht oder sind unterwegs stehen geblieben. Doch wer sich auf die Suche begeben hat, der kommt an ein Ziel. Gemäß dem Gleichnis Jesu bekommt er einen Lohn für seine Mühen. Am Ende seiner langen oder kurzen Arbeit findet er Gott, begegnet er Gott. Nun sollte man denken, ist er glücklich und zufrieden. Im Evangelium waren das auch die meisten, doch einer begehrt auf. Er hat sich am längsten angestrengt. Er hat mehr versucht als alle anderen. Er hat auf mehr verzichtet als alle anderen. Nun möchte er auch mehr bekommen. Er möchte sagen können, meine Beziehung zu Gott ist enger. Ich bin Gott näher. Gott muss mich mehr mögen als andere und deshalb soll ich mehr vom Leben haben. Doch Gott entgegnet - bei mir nicht. Dass du mich gefunden hast, dass du mir begegnen kannst, muss dir genügen. Hier gibt es kein mehr oder weniger. Du hast deinen versprochenen gerechten Lohn bekommen. Was willst du mehr?

Gottes Denken ist anders als menschliches Denken. In seiner Liebe macht er keine Unterschiede. Ihm ist jeder Mensch gleich wichtig und gleich viel wert. Da spielt es keine Rolle, wie lange ein Mensch auf der Suche nach Gott war. Wenn es um Gott geht, dann müssen wir unser Denken umstellen. Die Denkmuster besser und schlechter - mehr und weniger - wichtiger und weniger wichtig - passen nicht. Bei Gott ist jeder gleich wichtig. Bei ihm gibt es keine Plus- oder Minuspunkte, es gibt keinen Kontostand und seine Liebe wären die Zinsen. Gott ist Liebe und hat für jeden Menschen die Liebe, die dieser braucht - damit sollten wir leben können.

Nicht mehr in den Denkmustern mehr und weniger zu denken, ist eine Herausforderung in einer Welt, wo es um immer mehr, immer wichtiger, immer bedeutender geht. Wir brauchen nur einmal nachzusehen, was Menschen aufgeben, um das beste, das höchste Ansehen zu haben, bis hin zur Selbstaufgabe und zum Selbstverlust nehmen sie alles in Kauf, suchen so alles zu gewinnen und haben am Ende sich selbst verloren - doch was haben sie wirklich gewonnen?

Wer sich auf die Suche nach Gott macht, der wird schließlich sich selbst finden, denn die Gottsuche führt den Menschen zu sich selbst. Vieles, was ihn ablenkt, verliert an Bedeutung und führt ihn so in die Zufriedenheit und Ruhe. Der Mensch kommt zu sich selbst. Wie lange dieser Weg geht, ist letztlich egal. Wichtig ist, der Mensch ist bei sich angekommen. Auf der Suche nach Gott hat er sich selbst gefunden.