Gedanken von mir
 

Gerechter Lohn?

Am vergangenen Donnerstag standen in München die meisten öffentlichen Verkehrsmittel still. Ein Streik hatte Busse und Trambahnen lahm gelegt. Die Gewerkschaft versuchte mit einem Warnstreik die laufenden Tarifverhandlungen zu beeinflussen. Was würden die Tarifparteien zum Entlohnungsverhalten des Gutsbesitzers im heutigen Evangelium sagen. Da wäre was los! Von großer Ungerechtigkeit wäre die Rede und sofort müsste über Lohnsteigerung, Mindestlohn und Lohnzuschläge verhandelt werden. Gerecht klingen die Löhne in unserer Augen auch nicht, doch die Antwort des Gutsherrn ist eindeutig: Du bekommst, was im Vertrag steht. Das ist doch gerecht! Und natürlich stimmen die Worte des Gutsbesitzers. Die Arbeiter des frühen Morgens haben es nur versäumt einen guten Tageslohn zu verhandeln. Würden sie dabei nicht neidvoll auf den anderen blicken, dann würde es ihnen gar nicht auffallen, dass andere mehr verdienen. Erst der Vergleich lässt uns „ungerecht“ rufen.

Jesu Gleichnis ist allerdings kein Entwurf für einen Tarifvertrag. Vielmehr will uns Jesus Gottes Handeln begreifbar machen. Er will uns nahe bringen, wie Gottes Wege sind, und diese Wege sind anders wie wir bei Jesaja hören, sie sind nicht die Wege des Menschen. Wenn wir an andere Wege denken, dann denken wir vielleicht an die Ziele, die unsere Wege haben und von denen wir befürchten, dass sie nicht die Ziele Gottes sind. Jesaja spricht aber eher von der Art der Wege, die Gott führt. Da gibt es auch große Unterschiede. Menschliche Wege erfordern Kraft, Anstrengung, Leistung ist gefragt. Unsere Begrenztheiten werden zu Hindernissen auf unserem Weg. Manchmal sinken wir zurück und denken, das schaffen wir nie! Wenn wir so auf das Ziel eines Lebens bei Gott blicken, dann erscheint uns der Weg dahin viel zu schwer, fast nicht gehbar. Gerade hier ermutigt uns Jesaja, denn er erinnert uns daran, dass unser Weg schwer sein wird, nicht jedoch Gottes Weg. Wir sehen oft nur das Schwere, die Vorschriften, die hohen Schwellen und unsere Unfähigkeit so viele Schwellen zu überwinden. Gott aber sieht uns in seiner Liebe. Diese Liebe lässt ihn die Wege einebnen, so dass wir schließlich gehen können, weil Gott uns hilft.

Die gleiche Botschaft gibt uns Jesus mit seinem Gleichnis. Da gibt es Menschen, die finden früh zu Gott, andere später, doch bei Gott spielt das keine Rolle. Nicht die Größe unserer Leistung verspricht uns Gottes Lohn, sondern dass wir uns überhaupt auf die Suche nach Gott gemacht haben. Wenn wir in Gottes Richtung blicken, und sei es noch bei letzter Gelegenheit, dann umfängt uns seine Liebe und wir erhalten den Lohn, den Gott uns versprochen hat, das Leben bei ihm.

Diese Gerechtigkeit anzunehmen, fällt uns schwer. Besonders wenn wir meinen, wir wären auf dem Weg zu Gott und strengten uns besonders an und der andere interessiert sich überhaupt nicht für Gott!

Doch Gottes Gerechtigkeit hilft jedem finden, der Gott sucht, wirklich jedem, den er ist die Liebe. Wir sollten uns darüber freuen, dass jeder Mensch in den Genuss von Gottes Liebe kommen kann, weil schließlich er uns sucht und findet.

Leider macht uns unser Gerechtigkeitssinn einen Strich durch die Rechnung. Anstatt wir uns über das Heil zu freuen, das jeden Menschen erwartet, beginnen wir nach zu rechnen, ob der andere genauso viel Anspruch auf Heil hat wie wir. Schließlich haben wir ja viel mehr Mühe auf uns genommen als andere. Wieso sollten andere den Himmel billiger bekommen? Der neidvolle Blick auf den anderen lässt uns die Freude über unsere Hoffnung vergessen. Wir sind schnell wie die, die als erste ihren Dienst beim Gutsbesitzer antraten. Auch wir rechnen nach und meinen wir seien übervorteilt worden. Dabei sollt uns der Lohn Gottes genügen.

Menschliche und göttliche Gerechtigkeit liegen weit auseinander. Wir Menschen vergleichen, was habe ich, was du; was bekomme ich, was du? Gottes Gerechtigkeit sieht nur, was der einzelne Mensch braucht. Das gibt er ihm, seine Liebe.

Gottes Gerechtigkeit ist unsere Hoffnung, denn aus seiner Liebe können wir nicht fallen. Er bietet sich uns an. Vielleicht sind wir die Ersten, die zu Gott finden – vielleicht die Letzten – der Lohn ist uns in jedem Fall sicher, Gottes Liebe.