Für wen haltet ihr den Menschensohn? Ich gebe die Frage Jesu an Sie weiter und möchte dabei mich selbst nicht ausschließen. Wer ist dieser Jesus Christus für mich? Wer ist Gott für mich?

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Der Film Dogma erzählt die Geschichte zweier Racheengel, die von Gott aus dem Himmel verbannt worden sind, weil sie vom Alkohol vernebelt, Gottes Anweisung verächtlich kommentierten. Im Verlauf des Filmes werden sie zu sehr unterschiedlichen Vertretern Gottes. Der eine erkennt das ungute Handeln der Menschen und wird zum großen Saubermacher, den schließlich niemand überlebt, der andere wird zum Beschützer der Menschen und versucht das Schlimmste zu verhindern. Beide haben ihr Bild von Gott, ein sehr unterschiedliches Bild, beide handeln in der Meinung, sie würden Gottes Willen erfüllen. Als Gott schließlich auftritt, sind beide überrascht. Er ist ganz anders! Er verhält sich ganz anders! Den Engeln gehen die Augen auf.

Wer ist Gott für uns? Wir haben ein Bild von Gott, wir tragen es in uns und werden von diesem Bild in unserem Handeln bestimmt. Selbst wenn uns das nicht bewusst ist, so prägt uns unser Bild von Gott.

Petrus hat ein Bild von Jesus Christus. Voller Stolz sagt er das, was alle Jünger wissen. Du bist der Messias. Hinter dieser Aussage steht die Sehnsucht nach einem großen Helden, der das geknechtete Volk Israel endlich in die Freiheit führt. Für Petrus hat diese Befreiung eine sehr konkrete Form. Befreiung heißt für ihn, endlich werden die gehassten Römer aus dem Land vertrieben. Endlich darf sein Volk in Freiheit leben. Endlich ist der Mann da, der seinem Volk diese Freiheit gibt.

Jesus versteht sich als der Messias, doch er hat ein ganz anderes Bild von Befreiung. Seine Befreiung zielt auf den Menschen. Er will für den Menschen Freiheit von inneren Zwängen und Abhängigkeiten, Freiheit von Schuld und Verdammnis. Der Weg zu dieser Freiheit ist ein Weg des Scheiterns, der Selbsthingabe, des Todes und der Auferstehung. Wie weit ist dieses Messiasbild von der Vorstellung des Petrus entfernt.

Figur – Gottesbild wegziehen

Als Petrus das Selbstverständnis Jesu hört, da zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg. Er sieht seine Vorstellungen ins Leere fallen. All das, an das er sich gehalten hat, ist weg!

Den Boden unter den Füßen weggezogen bekommen – kennen wir ähnliche Erfahrungen? Momente, wo all das zusammenfällt, was wir uns erdacht, was wir geplant, was wir uns vorgestellt haben. Dazu die Frage und wo ist jetzt Gott?

Unser Gottesbild trägt uns über weite Strecken unseres Lebens. Wir haben das Gefühl, von Gott getragen zu sein, gehalten und geführt. Wir finden die nötigen Antworten, wenn mal die eine oder andere Kleinigkeit nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen. Aber dann, wenn es uns wirklich den Boden unter den Füßen wegzieht. Dann wenn wir erleben, wie unser Lebensmodell zusammenfällt, dann hilft uns kein guter Hirte mehr, dann hilft uns dein liebender Vatergott, dann brauchen wir ein anderes Bild. Wenn wir uns dann in Jesus wiederfinden, der am Ölberg betet, ist es nicht doch möglich, den Kelch an mir vorübergehen zu lassen, wenn wir uns in dem Jesus entdecken, der am Kreuz schreit, mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, dann fallen wir nicht ins Bodenlose. Dann fallen wir in das Netz, das Jesus uns mit seinem Leiden aufgespannt hat. Dann findet unser Leben in der Verheißung halt, dass auch im Tod sich das Leben zeigt, Leben in der Gegenwart Gottes.

Petrus erschrickt, als Jesus ihm die Perspektive des Messias vor Augen führt, er erschrickt und es dauert, bis er zum Glauben findet. Schließlich wird den Weg erkennen, der ihm durch Christus eröffnet wurde. Dann kann auch Petrus sich auf den Weg des Meisters einlassen. Dann hat sich auch das Bild gewandelt, das er vom Messias hatte.

Wir haben unser Bild von Gott. Es ist in uns gewachsen, weil jeder von uns Gott in irgendeiner Weise erfahren hat. Unser Bild von Gott ist aber nicht endgültig fest. Es wandelt sich, denn Gott zeigt sich uns immer wieder auf andere Weise. Wenn wir Gott nicht in ein Korsett pressen, sondern für ihn offen bleiben, dann ändert sich zwar unser Bild von Gott, es wird sich aber auch als tragfähig erweisen, denn es trägt uns auch in neuer Gestalt.