Gedanken von mir
 

Spalter

Ein Spalter, das ist nicht nur ein Werkzeug in der Holzverarbeitung, das ist auch eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung für Menschen. Spalter, das sind Menschen, die versuchen einen Keil in Beziehungen, in Gruppen, in Gemeinschaften zu treiben. Meistens geschieht das nicht offen. Wir erfahren Spalter eher als jemanden, der uns unter dem Siegel der Verschwiegenheit etwas zuflüstert, jemand, der durch gezielte Fragen Zweifel weckt und mit Vermutungen verunsichert.

Durch Spalter gehen Beziehungen kaputt und brechen Gemeinschaften auseinander, denn es wir das Wichtigste zerstört, was menschliche Beziehungen zusammenhält. An die Stelle des Vertrauens tritt das Misstrauen. Wo man nicht mehr vertrauen bzw. trauen kann, ist Beziehung nicht mehr möglich.

Im Evangelium hören wir Jesus sagen: wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn zu Recht. Hinter diesem Wort Jesu zeigt sich, dass Sünde nicht nur Privatangelegenheit ist, sondern andere mit betrifft. Die Gemeinschaft rückt in den Blick. Die Beziehungen in denen ein Mensch steht. Wer sündigt, ist im letzten ein Spalter, jemand der Beziehungen zerstört und Dinge auseinander treibt, die zusammengehören.

Hinter diesen Worten verbirgt sich ein anderes Denken über Sünder, wie es landläufig verbreitet ist. Meistens versteht man unter Sünde den Verstoß gegen moralische und ethische Normen, wie sie in den Geboten beschrieben sind. Betrachtet man die Gebote aber genauer, dann geht es nicht um ein blindes Befolgen von Sätzen und Vorschriften, sondern um die Pflege der verschiedenen Beziehungen des Menschen. So wie Paulus es plakativ beschreibt: wer liebt, der hat das ganze Gebot erfüllt. Wir merken, dass hinter dem Wort Sünde viel mehr steckt, als nur die Verletzung eines Dutzend von Sätzen.

Wir sagen auch, dass der Teufel hinter der Sünde steht. Mit solch einer Aussage liegen wir gar nicht so schlecht, denn es geht beim Teufel nicht um eine Person, sondern um den Diabolos – griechisch, den Durcheinanderbringer. Wieder sind wir an dem Punkt, wo es um die Beziehungen geht, in denen wir stehen. Unsere Beziehungen werden durch den Diabolos durcheinander gebracht. Das ist Sünde in ihrer vielfachen Gestalt.

Unser Leben kennt viele Beziehung. Sie sind wie ein Netz, das unser Leben trägt. Diese Beziehungen lassen sich in vier Grundbeziehungen ausdrücken: die Beziehung zu mir selbst, zum Nächsten, zur Natur und schließlich zu Gott. Alle vier Richtungen gehören zu unserem Leben dazu und sind zu beachten. Wer sündigt, der greift diese Beziehungen an, er stört oder zerstört sie. Damit zerstört er im Letzten das Leben, das durch die Beziehungen getragen wird.

Wenn Jesus im Evangelium zu seinen Jüngern sagt, dass sie einen Sünder zurückholen sollen, dann geht es ihm darum, zerstörte Beziehungen wieder zu heilen. Menschen, die sich in gewisser Weise selbst zerstümmeln, weil sie ihre Beziehungen verletzen, sollen Heil erfahren und so wieder einen Weg ins Leben finden. Das ist eine starke Bemühung wert. Auch hinter dem Wort Versöhnung steckt dieser Gedanke. Wer seine Schuld bekennt und sich versöhnt, der beginnt seine Beziehungen zu heilen und findet wieder einen Zugang zum Leben.

Paulus nennt uns im Römerbrief das Mittel dazu: Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes und nur die Liebe schulden wir einander immer.

Wir spüren den hohen Anspruch, der hinter diesen schlichten Worten steckt. Gelingendes Leben ist gekennzeichnet durch die gesunden Beziehungen, in denen es sich abspielt. Das Wohlwollen zu unseren Nächsten, ein Gespür für Natur und Umwelt und das Annehmen unser selbst als Menschen mit Leib und Seele, sind die Wege, die unser Leben gelingen lassen. Erst wenn wir beginnen, mit der Liebe ernst zu machen, die wir jedem Geschöpf schulden, dann sind wir auch auf dem Weg der Gottesliebe. Nicht die Gebote sind es, die uns zur Liebe führen, die Liebe ist es, die uns zur Erfüllung der Gebote führt, die Liebe ist es die uns zu Gott führt.

Das Leben ist und bleibt eine Herausforderung. Die Vielfalt der Beziehungen gehört dazu. Wenn wir unser Beziehungen liebe - voll gestalten, dann geben wir das zurück, was uns von Gott geschenkt ist, die Liebe. Bleibt niemand etwas schuldig, nur die Liebe schuldet ihr einander immer.