Was Jesus sagt, ist unerträglich!
Was der Papst sagt, ist unerträglich!
Was der Bischof sagt, ist unerträglich!
Was der Pfarrer sagt, ist unerträglich!
Was der Thomas Abrell sagt, ist unerträglich!
… diese Reihe lässt sich fortsetzen.
Unerträglich werden Worte dann, wenn sie mir nicht ins Konzept, in mein Denken, in mein Weltbild, ins System passen. Menschen wehren sich, wenn ihnen Gedanken und Meinungen präsentiert werden, die ihnen zuwider sind, die sie dazu zwingen, über ihre eigene Meinung anzudenken. „Unerträglich, nicht tragbar!“, so ein Vorwurf ist eine Abwehrreaktion, dass ich bei meinen Gedanken bleiben kann. Unerträglich, das heißt, der andere liegt falsch. Seine Gedanken sind nicht meine Gedanken.
Jesu Worte sind unerträglich, weil sie fordern. Sein Weltbild ist keine angenehme Spielwiese mit Friede, Freude, Eierkuchen. Vielmehr bringt Jesu Idee von der Welt vieles in der Welt ins Wanken und sei es noch so gut eingerichtet gewesen. Jesus ist eben kein Softie, den wir uns zurecht schnitzen können. Vielmehr fordert er von uns die Entscheidung, ob wir für oder gegen ihn sind. Wer von sich sagen will, dass er zu Jesus gehört, dessen Leben hat Konsequenzen. Die Folge der Entscheidung für Jesus ist das Leben aus seinem Geist. Allerdings muss derjenige, der sich auf den Geist Jesu einlässt, damit rechnen, dass sein Leben aus den Fugen gerät und nicht mehr in den gewohnten Pfaden ruhen bleibt. Leben aus dem Geist Jesu bringt Veränderung mit sich. Da ist es klar, dass diesen Weg nicht jeder mitgehen kann. So heißt es auch im Evangelium, dass sich viele zurückzogen.
Die Gruppe der Jünger Jesu macht einen Klärungsprozess durch. Solch ein Prozess bleibt keiner Gruppe oder Gemeinschaft erspart. In den Ordensgemeinschaften haben solche Prozess fast immer zu Spaltungen geführt. Allein unser Franziskanerorden ist deshalb in drei Gruppen aufgegliedert, in die Minoriten, Kapuziner und Franziskaner. Es stehen immer wieder Entscheidungen über die richtige Linie einer Gemeinschaft an. Wichtig ist dabei, dass einerseits jedes Mitglied einer Gruppe gehört wird, andererseits auch die Wurzeln einer Gruppe nicht aus dem Blick geraten.
Papst Benedikt ist bei aller Klarheit ein Mensch, der eben diese Art des Miteinanderringens pflegt. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch daran, wie überrascht die Bischöfe auf ihrer letzten Synode waren, als Benedikt sie zur Diskussion aufforderte. Er, der Papst, wollte zuerst einmal die Bischöfe hören und nicht als Papst die Meinungen diktieren. Die Bischöfe waren erst überrascht und dann befreit. Mit dieser Art des Ringens machte Benedikt klar, der Geist Gottes hat die Freiheit, durch alle Menschen zu sprechen, nicht nur durch den Bischof von Rom. Gottes Geist wirkt in jedem Menschen. Die Erfahrung der Synode knüpfte damit an die Erfahrung des II. Vatikanischen Konzils an. Auch damals wurden alle Bischöfe gehört und Gottes Geist hat sich kräftig ans Werk gemacht.
Nun kann nicht jeder auftreten und einfach von sich behaupten, in mir wirkt Gottes Geist. Schließlich gibt es sehr wohl Merkmale, die zeigen, welcher Geist in einem Menschen am Werk ist. Bischof Reinhold Stecher hat mal gesagt, nicht jeder Vogel, der flattert, ist der Heilige Geist. Gottes Geist hat einen Namen, er ist Liebe. Nur wenn die Liebe in den Gedanken und dem Handeln der Menschen erkennbar ist, dann können sie sich auf den Heiligen Geist berufen.
Der Geist Gottes ist es, der die Menschen führten will. Wer sich auf diesen Geist einlässt, der darf sich zurecht als Jünger Jesu sehen. Der Geist Gottes ist es, der lebendig macht. Nur wer aus diesem Geist lebt, aus dem Geist der die Liebe ist, der wir wirklich lebendig sein. Die Entscheidung für Jesus Christus ist eine Entscheidung für die Liebe und damit für das Leben. Für manchen ist solch ein Leben allerdings untragbar, denn er müsste sich in der Rücksicht auf den Andern üben. Aber damit ist dann auch klar, wo er steht. Die Seite Gottes ist dies allerdings nicht.