Für wen haltet ihr mich?


Regelmäßig zu den großen Festen des Kirchenjahres - zu Weihnachten und Ostern - nehmen Zeitschriften wie der Spiegel oder der Focus sich des Themas "Jesus Christus" an. Meist geht es dann darum zu erklären, wieso es nicht mehr zeitgemäß ist, Jesus Christus als Grundlage des Glaubens und als Orientierung des Lebens zu nehmen. Er scheint aber doch so bedeutsam zu sein, dass es immer noch eine Titelstory wert ist, die Grundlage des Christentums zu kommentieren. Wer ist es, der es so Jahr für Jahr auf die Titelseiten der großen Zeitschriften schafft.

Für wen halten die Leute den Menschensohn? Es gibt eine breite Palette von Antworten. Christusbilder beispielsweise zeichnen ihn als guten Hirten im Nazarenerstil, als Freiheitskämpfer, als Kind, das in einer Krippe oder zwischen Müllhalden geboren wird als einen Geschundenen, den Auferstandenen oder einen Weltenherrscher. Jede Zeit - jede Kultur hat ihre eigenen Bilder vom Menschensohn - abhängig von ihrer Situation und Erfahrung und ihrer Vision.

Und für wen haltet ihr mich? Jesus wendet sich mit seiner Frage an seine Jünger. Petrus antwortet und bekennt sich in seiner Antwort zum Messias, zum Sohn des lebendigen Gottes. Eine Antwort, die Petrus nicht nur aus sich gegeben hat, wie Jesus anmerkt. Gott selbst hat dem Apostel die Antwort offenbart.

Für wen haltet ihr mich? Diese Frage stellt Jesus an jeden von uns und wir geben unsere Antwort. Jeder gibt Antwort durch sein Leben, persönlich, als Teil der Kirche, der Gesellschaft. Jeder gibt Antwort durch die Art und Weise, wie er sein Leben gestaltet. Franziskaner geben ihre Antwort auf diese Frage seit 90 Jahren hier in Ohrbeck durch ihr Leben und Arbeiten. Dieses Leben ist geprägt durch die Botschaft des Evangeliums, die uns Franz von Assisi als Lebensregel ans Herz gelegt hat. Färbung hat unser Leben durch die Geschichte des Ordens und der Provinz erhalten. Auch die Auseinandersetzung mit der Situation und den Menschen hier vor Ort in der Gemeinde und in Haus Ohrbeck hat die Franziskaner geprägt. Und schließlich ist es unsere persönliche Geschichte mit Gott, die unserer Antwort auf die Frage Jesu ihren Inhalt gibt.

Unsere Antwort auf die Frage Jesu, das gilt nicht nur für uns Brüder, sondern für jeden Christen, gründet sich auf Gottes Wort, die Heilige Schrift. Unser Leben konfrontiert mit der Geschichte Gottes mit den Menschen der Bibel, bekommt eine Grundfarbe. Die Auseinandersetzung mit unserer kirchlichen Tradition tönt diese Farbe ab. Heilige prägen uns, wenn wir deren Leben nachgehen. Auch die Kirche vor Ort, unsere Pfarrgemeinde, beeinflusst unser Denken. Schließlich finden wir durch unsere persönliche Geschichte, die auch Geschichte unserer Erfahrung Gottes ist, wir zu einer Antwort. Diese Antwort muss nicht ins Wort gefasst sein. unsere Antwort ist in unserem Leben lesbar. Sie gibt unserem Leben seine Gestalt.

Die Antwort des Petrus, sein Bekenntnis zu Jesus als dem Sohn des lebendigen Gottes, lässt ihn zum Felsen werden, auf den Jesus seine Kirche bauen will. Das Messiasbekenntnis des Petrus wird die Grundlage, auf der die Gemeinschaft derer entsteht, die an Christus glauben.

Unsere Antwort als Franziskaner wird darin lesbar, wie uns Menschen in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens und Arbeitens erfahren. Wir hoffen, dass wir so unseren Beitrag leisten können zu einer Welt, die zu Gottes Reich heranwächst.

Unsere und ihre Antwort wird sichtbar in den Familien, in denen wir leben, an den Arbeitsplätzen, wo wir tätig sind und in der Gesellschaft, in die wir mit unserem Leben hineinwirken, egal welche Funktion wir für das Gemeinwesen haben. Alle geben wir Antwort, oft auch unbewusst. Wir geben Zeugnis für Jesus Christus und was wir von ihm halten. Wer uns begegnet, sieht unser Bekenntnis zu Christus. Er bekommt eine Ahnung davon, was die Gemeinschaft der Christen aus macht. So bauen wir mit unserem Leben mit an unserer Welt. Gebe Gott, dass wir ihn richtig erkennen, damit unsere Welt seinem Reich ähnelt und zu Gottes Reich werden wird.