Gedanken von mir
 

Dieser Jesus - ?

Jesus liebt dich, hat jemand vor einigen Monaten an eine Metalltür hinter unserer Klosterkirche gesprüht. Jesus liebt dich, hat sich mancher WJT - Teilnehmer auf die Haut gepinselt oder in die Haare geschnitten. Doch wer ist Jesus?

Was antworten wir, wenn man uns nach Jesus fragt?

Wir merken schnell, dass die Antwort gar nicht so einfach ist. Finden wir kaum den Mut eines Petrus, zu einer persönlichen Antwort? Jesus ist durch Worte auch nicht fassbar. Selbst das Bekenntnis, er ist der Messias,  ist ein Wort, das wir schwer erklären können. Dazu kommt, dass ich mit meiner Antwort Stellung beziehen muss und nicht mehr so tun kann, als ob mich Jesus nichts anginge. Als Petrus eine Antwort gibt, hat das für ihn Folgen. Jesus überträgt ihm eine große Verantwortung.

Für wen halten wir den Menschensohn? Für einen Fürsten, für einen Herrscher, für einen Hirten, für einen Dulder, …?

Unsere Antwort geben wir nicht mit unseren Mund, sondern durch unser Leben. Wenn wir für klare unverrückbare Normen sind, dann halten wir Jesus für einen absoluten Herrscher oder Fürsten. Wenn uns die Nächstenliebe ein Anliegen ist und wir unsere ganze Kraft für das Wohl der Menschen einsetzen, dann haben wir Jesus als den sorgenden Hirten vor Augen. Wenn wir am Leben leiden und unsere Leiden als Sinn unseres Lebens sehen, sehen wir in Jesus den großen Dulder, der sein Kreuzesleiden klaglos auf sich nimmt. Alle Positionen haben ihre Berechtigung. Sie geben eine persönliche Antwort auf die Frage nach Jesus Christus. Gefährlich wird es nur, wenn wir das Leben Jesu auf das verkürzen, was uns gerade passt.

Petrus gibt auf Jesu Frage eine Antwort: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes. Damit gibt er eine Antwort aus seinem persönlichen Glauben heraus und drückt die Hoffnung Israels aus.

Messias, das ist für Juden der große Erlöser und Retter des Volkes Israel, er der alles in Ordnung bringt. Er ist der Heiland, der Heil schafft – Gottes auserwählter Retter seines Volkes. Wenn sich Petrus zu Jesus als dem Messias bekennt, dann bekennt er sich damit zur Rettung und Befreiung der Menschen in jeder Beziehung. Das sind nicht nur fromme Floskeln, sondern ist etwas Handfestes und auch die politische Befreiung Israels gehört dazu.

Petrus bekennt sich zur Befreiung und zum Heil der Menschen, deshalb erhält er die Binde- und Lösegewalt. Es ist seine Aufgabe, die Menschen aufzurichten und ihnen die Gnade Gottes zuzusprechen. Von nun an hat Petrus sich mit allen Kräften um das innere und äußere Heil der Menschen zu kümmern.

Petrus ist nicht der einzige und nicht der erste, dem Gott Binde- und Lösegewalt zuspricht. Im Buch Jesaja wird Eljakim mit der gleichen Vollmacht ausgestattet. Gott setzt ihn als Palastvorsteher ein, nachdem er Schebna aus seinem Amt verjagt hat.

Als Palastvorsteher war Schebna ein einflussreicher Mann. Doch Einfluss verleitet und so konnte Schebna der Versuchung der Macht nicht widerstehen. Gott setzt seinem Treiben ein Ende, indem er einen neuen Mann einsetzt, Eljakim. Eljakim bedeutet „Gott richtet auf“.

Mit der Neubesetzung setzt Gott klare Zeichen. Sein Diener soll nicht Macht über Menschen ausüben, sondern Gott vertreten, der den Menschen aufhilft.

Petrus und Eljakim bekommen beide Binde- und Lösegewalt. Doch diese Gewalt ist kein Machtinstrument, sie ist ein Heilsinstrument. Menschen sollen im Auftrag Gottes die Menschen aufrichten, indem sie ihnen die Fesseln lösen und sie mit Gott verbinden. Indem sie diesen Auftrag ausüben, bekennen sie sich zum lebendigen und nahen Gott.

Nachmals zurück zu unserer Frage: Wer ist Jesus für uns? Unsere persönliche Antwort geben wir weniger mit dem Mund als vielmehr mit unserem Leben. Wenn Jesus für uns der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes ist, dann übernehmen wir einen Auftrag. Es liegt ein Stück in unserer Hand, ob Menschen an das Heil glauben können, das von Gott kommt. Uns ist die Aufgabe übertragen, den Menschen von Heil und Erlösung, von Freiheit und der Liebe Gottes zu erzählen. Das ist sowohl unser persönlicher Auftrag als auch die Aufgabe unserer Glaubensgemeinschaft, der Kirche.

In diesen Tagen will man uns immer wieder weismachen, die Kirche spiele in unserem Land keine Rolle mehr. Die Kritiker der Kirche haben Recht, wenn sie unsere Kirche als Machtfaktor sehen, denn als solcher hat sie in unserer Gesellschaft keinen Einfluss mehr. Daran ändern keine Gebete und Aufrufe was, denn es ist nicht das Wesen der Kirche Jesu Christi, dass sie Macht und Einfluss über andere ausübt.

Die Kritiker liegen aber falsch, wenn sie sagen, unser Land sei unchristlich, denn dann übersehen sie die vielen Menschen, die an die Heilszusage Christi glauben und entsprechend leben. Kirche spielt in unserer Gesellschaft eine große Rolle, wenn wir unserer Berufung nachkommen und uns dafür stark machen, dass möglichst viele Menschen Heil erfahren. Hier ist Kirche der Ort, wo Menschen aufgerichtet werden. Hier finden wir ein handfestes Bekenntnis zu Jesus Christus, dem Messias, dem Sohn des lebendigen Gottes.