Jesus spricht von sich als dem lebendigen Brot, das vom Himmel kommt und den Menschen Leben gibt. Und er kündigt weiter an, dass er sich selbst sich den Seinen zur Speise gibt. Klar löst er mit diesen Aussagen Widerspruch aus. Wie lässt sich das auch verstehen.

Als Christen glauben wir, dass Jesus sich uns zur Speise gibt. In jeder Eucharistiefeier denken wir an das letzte Mahl, als er sich in Brot und Wein den Jüngern verschenkt. Wir denken nicht nur daran, wir vollziehen das Geschehen im Abendmahlssaal nach. Auch an uns verschenkt sich Jesus Christus in Brot und Wein und wir bekommen Anteil an seinem Leben. Was hier geschieht, ist aber nicht nur ein Ereignis zwischen Gott und einzelnen Menschen, sondern auch zwischen den Menschen. In der Hingabe Jesu liegt die Wurzel unserer christlichen Gemeinschaft.

Gemeinschaft kann nicht gemacht werden, sie muss entstehen und wachsen. Dazu braucht es einen Grund, eine Idee oder ein Ziel. Um diese Idee, dieses Ziel sammeln sich Menschen, die ihr eigenes Leben ein Stück aufgeben, nämlich soweit wie es nötig ist, dass das Ziel der Gemeinschaft erreicht werden kann. Je mehr Menschen sich in eine Gemeinschaft einbringen, desto größer werden die Chancen, dass die Idee einer Gemeinschaft Wirklichkeit wird.

Die Gemeinschaft der Christen entsteht, weil sich Menschen über viele Generationen hinweg von einer gemeinsamen Mitte her verstehen. Menschen verbinden sich im gemeinsamen Bekenntnis zu Jesus Christus. Dieser Jesus Christus stellt Beziehungen her. Als Brot vom Himmel verbindet er Menschen mit Gott. In der Person Jesus Christus haben sich bereits Gott und Mensch zu einer Einheit verbunden. Diese Verbindung wird aufs neue Wirklichkeit, wenn wir Menschen im Empfang des Leibes Christi mit Gott in Berührung kommen und Gott in uns Mensch wird. Wir werden dabei mit Gott verbunden.

Jesus Christus verbindet Menschen untereinander. Er versammelt Menschen, die an ihn glauben. Angefangen hat das mit der kleinen Gruppe von Fischern, die sich um ihren Meister versammelten und es ging und geht weiter in der Gemeinschaft der Christen, zu der wir heute gehören.

So verbindet uns Christen das Brot, das wir brechen und empfangen, wenn wir Eucharistie feiern. Wenn wir so Christus empfangen, dann tragen wir Christus in uns und werden durch Jesus Christus mit allen Menschen verbunden, die ebenfalls Christus in sich tragen. Wir werden verschwistert, wirklich zu Schwestern und Brüdern. Wir sind wirklich Gemeinschaft.

Uns verbindet auch das Gedankengut Christi, wie es in der heiligen Schrift niedergeschrieben wurde. Uns verbindet eine Idee von Gott, die von einem Gott erzählt, der zu den Menschen in Beziehung tritt und den Menschen nahe ist. Uns verbindet eine Idee von den Menschen, die jedem Menschen Würde und Wert zuspricht, unabhängig seines Standes und seines Lebens.

Menschen die sich als Gemeinschaft verstehen, leben diese Gemeinschaft. Sie suchen Wege, ihrer Gemeinschaft Ausdruck zu geben. Die Gottesdienstgemeinde ist eine Form unserer christlichen Gemeinschaft, doch gehört es zum Wesen einer Gemeinschaft, dass sie auch ihre Ideale zum Ausdruck bringt. Für uns Christen heißt das, dass wir immer wieder Wege suchen, die Ideen Jesu in der Welt auszudrücken. Durch uns sollen Menschen erkennen, dass Gott wirklich für die Menschen da ist. Menschen sollen auch erfahren, dass sie unverlierbare Würde und Wert haben. Als Christen muss uns das ein Anliegen sein.

Christliche Überzeugung sieht in jedem Menschen den Wert und die Würde, die er von Gott hat. Diese Würde zu schützen und dem Menschen einen gewisse Wertschätzung entgegenzubringen, muss unser Anliegen sein. Es gehört zum Wesen des Christseins, dass wir andere Menschen in ihrer Eigenart akzeptieren und respektieren. In unserem Glauben liegt so die Wurzel zum friedlichen Zusammen leben in der Welt. Viele Christen setzen sich deshalb für Frieden und Gerechtigkeit ein. Beginnen müssen wir jedoch in unserer kleinen Welt der Familie, der Nachbarn. Manchmal genügt da als Anfang oft sogar schon ein kurzer Blick, der dem Anderen zeigt: ich habe dich gesehen.