Gedanken von mir
 


Patrona Bavaria

Seit es Harry Potter Bücher gibt, können auch junge Leser mit dem Begriff Patrona etwas anfangen. Bei seinen Abenteuern erwirbt der junge Zauberer die Fähigkeit, einen Patronus zu zaubern – nicht gerade einfach, aber die einzige Möglichkeit sich gegen die seelenlosen Dementoren zu schützen, die den Menschen ihre Seelen und damit das Leben aussaugen möchten.

Wir in Bayern  verehren die Mutter Gottes als Patronin unseres Landes. Ganz abwegig ist der Vergleich mit dem Patronus des Harry Potter nicht, denn Maria soll als Patrona Bavaria das Bayernland schützen, Maria ist somit ein Patronus gegen die Bedrohungen unseres Landes und soll verhindern, dass wir Seele und Leben verlieren.

Mit dem Bild der Patrona Bavaria verbinden wir in der Regel eine Herrscherin – sehen wir uns beispielsweise die Mariensäule in Tölz oder in München an – eine Königin, die über die Menschen herrscht. Das ist eine sehr menschliche Vorstellung, die hinken muss, denn wir legen weltliche Maßstäbe an eine Gestalt des Glaubens an. Auch wenn Bilder noch so sehr von einer Herrscherin sprechen, im Himmel gibt es nur einen Herrscher, der heißt Jesus Christus und ist Gott.

Die Hl. Schrift ist eindeutig in ihrer Rede von Maria. Wir finden hier nichts von einer Herrscherin Maria. Vielmehr wird uns eine demütige Dienerin vorgestellt. Eine einfache, schwache Frau, ganz im Dienst ihres Sohnes. Maria hat sich ganz in das Leben ergeben, das ihr von Gott zugedacht ist. Nur deshalb hat ihr die Kirche einen besondern Platz zugedacht. Sie war Dienerin Gottes, wie es kein Mensch vorher gewesen ist, und sie wurde zur Mutter Gottes, wie kein Mensch nach ihr.

In ihrem dienendem Muttersein wurde Maria zum Vorbild für uns Glaubende. Franziskus greift den Gedanken des Gebärens auf, wenn er von der Eucharistie spricht. Hier wiederholt sich Gottes Menschwerdung, wenn auch auf andere Weise. Menschwerdung wiederholt sich auch, wenn Menschen Wort Gottes in ihrem Leben Wirklichkeit werden lassen.

Maria ist uns Vorbild als Mensch, in dem Gott zum Menschen wurde. Wie sie sollen auch wir zu Müttern Gottes werden, zu Menschen durch die Gott in die Welt kommt.

Maria – eine Herrscherin? Sie ist nur insoweit Herrscherin, als sie Dienerin ist. Weil sie sich ganz in den Dienst Gottes nehmen ließ, wurde sie zur Mutter des Glaubens und Mutter der Kirche. Diesen Ehrentiteln wird Maria nur gerecht, soweit wir Menschen ihrem Beispiel folgen.

Heute ehren wir Maria als Patrona, als Schutzfrau Bayerns. Als solche wurde sie auf die Fahnen der Gebirgsschützen gestickt, weil sie Gefahr von unserem Land abwehren sollte. Maria machte den Menschen durch ihre Begleitung Mut und gab ihnen Gewissheit, für eine gute Sache unterwegs zu sein. Wenn wir Maria heute als Schutzfrau Bayerns ehren, dann wird sie auch heute Gefahr von unserem Land abwenden allerdings nur mit unserem zutun und soweit sich die Menschen in Bayern als gläubig erweisen.

Maria ließ sich von Gott in Dienst nehmen. Wir tun es ihr nach, wenn das Evangelium unsere Orientierung, unsere Richtschnur wird. Der Schutzmantel des Glaubens ist hergerichtet, wir müssen ihn uns nur anziehen.

Waren es vor 300 Jahren feindliche Truppen, die die Menschen in unserem Land bedrohten, so sind es heute Arbeitslosigkeit und Armut. Einsamkeit und Ruhelosigkeit, um nur einige Bedrohungen zu nennen. Der Schutz vor dieser Bedrohung ist schwierig, weil wir dieser Not nicht mit Waffen sondern mit unserem Verhalten begegnen müssen. Das Gespür für das Ganze unserer Gesellschaft, die Achtung des Armen und Fremden, die Bereitschaft Verantwortung für das Wohl aller Menschen in unser Welt zu übernehmen, sind die Waffen gegen die Bedrohungen unserer Zeit.

Wer mag diese Waffen ehrlich ergreifen? Meist hindert uns die Sorge um das eigene Wohlergehen, hier mutige Schritte zu tun und damit Gefahr von unserem Land und unserer Welt abzuwenden.

Maria war für die Menschen immer wieder ein Hoffnungszeichen, das sie mutig vorwärts gehen ließ. Als Frau, die sich ganz als Magd des Herrn verstand, ist sie uns auch heute Vorbild im Glauben. Sie wird zur Patronin unseres Landes, wenn wir wie sie unser Leben in den Dienst Gottes stellen. Dann wird sich unser Leben verändern. Es wird zur Quelle des Lebens für all die Menschen, die auf uns hoffen. Unser Leben wird zur Quelle des Lebens, weil durch uns Gottes Wort greifbar wird. Wir werden zu Menschen des Glaubens, wie es Maria war.