Schon wieder Advent!


Gefragt, was denn zu einer adventlichen Stimmung gehört, würden wir antworten: Kerzenschein, ein Adventskranz oder Adventsgesteck, dazu einen deutenden Text, Besinnlichkeit, Ruhe und dazu die entsprechenden Düfte, die eine angenehme Stimmung fördern. Die sprichwörtliche Beschwerde, dass man im Advent von Besinnung zu Besinnung hetzt, ist ein passendes Schlagwort, das unsere Sehnsucht nach Ruhe und Stille ins Wort bringt. In unseren Breiten macht uns die Natur vor, was diese Zeit sein könnte. Die Nächte werden länger, die Schöpfung legt sich zur Ruhe, um im Frühjahr mit neuen Kräften wieder zu erwachen. Nicht umsonst wurde die Nähe zur Wintersonnenwende als Ort des Weihnachtsfestes ausgewählt.

Sehen wir uns aber die biblischen Texte dieses Sonntages an, dann ist von Beschaulichkeit wenig zu spüren. Am ehesten lassen sich die noch die Worte des Korintherbriefes mit der Sehnsucht nach Ruhe und Stille zusammen bringen. Wenn hier vom Dank für Gottes Gnade zu lesen ist und wir von der Zusage hören, dass uns keine Gnadengabe fehlen wird, dann könnte man noch daran glauben, sich etwas gelassener zurück zu lehnen. Doch braucht es viel guten Willen, um hier Ruhe und Stille zu entdecken. Deutlicher tritt schon der Auftrag hervor, der sich mit den verliehenen Gnadengaben verbindet. Wir sind begnadet, damit wir mit unserem Leben sicher in der Zeugenschaft für Christus stehen. Wir können mit unserem Leben für Christus eintreten, weil Gott sich als verlässlich erwiesen hat und zu uns steht.

Alles andere als adventlich wirkt die Endzeitstimmung, die wir beim Evangelisten Markus hören. Zwar können wir uns sicher schnell in diesen Worten wiederfinden, wenn wir auf das Chaos dieser Welt blicken. Endzeitphantasien sind hier schnell zu entwickeln. Es geht aber nicht um die Verkündigung des Niederganges der Welt. Die Aufforderung Jesu, die Zeichen der Erde und des Himmels ähnlich zu deuten wie die Zeichen der Natur, können wir als Aufforderung verstehen, die Zeichen unserer Zeit zu sehen und zu deuten, um dann die Möglichkeiten zu entdecken, die in dieser Zeit stecken.

Mit dem Ende dieser Welt verbindet sich nicht der Niedergang der Menschheit sondern der Anbruch der Heilszeit. Daher ist nicht Untergangsstimmung angebracht, sondern Engagement. Das Heil der Welt ist im Prozess. Menschen die Gottes Wort in dieser Welt lebendig halten, sorgen dafür, dass die Welt zu ihrem Ende kommt, nicht als Ende mit Schrecken sondern als Vollendung im Reich Gottes. Menschen, die Gottes Wort leben, geben letztlich ihrer Sehnsucht Raum, allerdings nicht durch Rückzug, sondern durch Aktivität.

Der Advent ist dabei wie der Winter eine Zeit der Sammlung und der Orientierung. In dieser Zeit soll sich der Raum eröffnen, den wir für die Besinnung auf unsere Wurzeln und unsere Sehnsucht brauchen. Hier soll Platz sein für das Wort Gottes mit seiner Heilsperspektive. Diese Zeit brauchen wir, um dann kraftvoll in die Welt zu gehen als Zeugen für das Heil, das in unserer Zeit bereits begonnen hat. Durch uns soll es sich ausbreiten bis sich die ganze Schöpfung verwandelt hinein in Gottes Reich.

Advent ist nicht die Zeit selbstgefälliger Beschaulichkeit. Es ist eher die Ruhe vor dem Sturm, Zeit um sich zu sammeln und Kraft zu schöpfen, damit Gottes Reich wächst durch unser lebendiges Zeugnis für das sichtbargewordene Wort Gottes.