Gedanken von mir
 


Dunkel und Licht


In der Nacht Kinder bitten um ein Nachtlicht oder eine leicht geöffnete Tür, damit ein Lichtstrahl in ihr Zimmer fällt und es nicht ganz so dunkel ist. Denn die Dunkelheit macht ihnen Angst.

Dunkelheit macht Angst und steht für das Gefühl der Angst – weniger die Angst in der Nacht, als eher die Angst in unserem Inneren, die vielen kleinen Lebensängste, die Angst um unsere Existenz und im letzten die Angst vor unserer innersten Wirklichkeit, wenn wir uns scheuen, uns ehrlich anzusehen. So hoffen auch wir darauf, dass Licht in unser Leben tritt und sei es nur ein kleiner Schimmer. Dieser kleine Lichtpunkt gibt uns Hoffnung, dass unser Leben Perspektive hat und wir uns nicht mehr zu fürchten brauchen.

Dunkelheit beschreibt auch der Apostel Paulus. Er spricht von Unmäßigkeit und Ausschweifung, von Streit und Eifersucht. Damit beschreibt er Menschen, die am wirklichen Menschsein vorbei leben. Es geht Paulus nicht darum, dem Menschen das Leben zu vermiesen und ihm nichts zu gönnen. Es geht vielmehr um das Gespür dafür, was einem Menschen wirklich gut tut. Zum Menschsein gehört es, dass der Mensch zu sich selbst steht, sich selbst mit seinen Bedürfnissen ernst nimmt und gleichzeitig sich in Beziehung weiß zu Gott und zu seinen Mitmenschen. Wer daran vorbei lebt, lebt auch im Dunkeln, denn er lebt an seiner eigenen Wirklichkeit vorbei.

Die Angst vor uns selbst, eine Dunkelheit unseres Lebens, sie wird durchbrochen, denn Gottes Licht dringt ein in unsere Dunkelheit. Gottes Liebe wird unsere Dunkelheit durchbrechen und auch unser Inneres hell machen. Wann das sein wird, lässt sich nicht festmachen. Wir können uns dieses Licht nicht herbeten. Es hilf auch nicht, irgendeine besondere Situation zu schaffen, damit Gott auch wirklich ankommt. Jesus spricht vielmehr davon, dass Gott in den einfachen Alltag treten wird, dann wenn wir es nicht erwarten. Im Evangelium heißt es vom Mann, der vom Pflug und von der Frau, die vom Mühlstein geholt wird. Es sind alltägliche Tätigkeiten, wo Gott ins Leben des Menschen tritt – es wird der Alltag sein, wo wir mit Gott rechnen müssen. Versprochen ist uns nur, dass Gott sich zeigen und mit seinem Licht unser Dunkel durchbrechen wird.

Wenn wir im Dunkeln sind und sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, dann tut es uns weh, wenn plötzlich das Licht angeht. Diese Erfahrung machen wir auch, wenn wir die Wirklichkeit unseres Lebens zu sehen bekommen – nicht was wir uns vormachen, sondern wie es wirklich ist. Wie oft sind wir enttäuscht von uns selbst, vom Nächsten und ehrlich gesagt auch von Gott, wenn unsere Bilder durch die Wirklichkeit zerstört werden. Es fällt uns schwer, uns selbst einmal ehrlich zu sehen und anzunehmen, denn der Weg, der uns zur Selbsterkenntnis führt, ist schmerzhaft. Doch er ist Not wendend. Es ist ein Weg, der uns unsere Begrenztheit und Unfähigkeit entdecken und annehmen hilft. Wenn Gott diesen Weg mitgeht, dann nimmt er uns zwar nicht unsere Gebrochenheit weg, aber er hilft sie zu sehen und anzunehmen. Wir können diesen Weg gehen, weil Gott uns auf diesem Weg in Liebe begleitet. Erst wenn wir begreifen, dass Gott uns dann voller Liebe annimmt mit unserem Unvermögen und unseren Grenzen, werden wir fähig, die Scheu vor uns selbst zu überwinden. Dann können wir anfangen uns so anzunehmen, wie wir sind.

Ich weiß, es fällt schwer zu glauben, dass Gott uns annimmt auch mit all unseren Fehler, denn wir wären so gerne Sonntagskinder gerade vor Gott – brav und fromm – aber wir merken, dass das nicht geht. Aber so wie das unmöglich ist, ist es auch unnötig, denn Gott tritt in unsere Alltäglichkeit, in unsere normale Wirklichkeit. Daran dürfen wir glauben, denn diesen Weg ist Gott schon einmal gegangen, im Stall von Bethlehem als er den Menschen in seiner Gebrochenheit annahm und selbst Mensch wurde. Und Gott geht diesen Weg jetzt wieder im Geheimnis der Eucharistie, wenn er in unserer Leben tritt und uns heute annimmt. Wenn wir wirklich an das Geschehen der Eucharistie glauben, dann heißt das für uns ein Leben in der Wirklichkeit, dass Gott in die Gebrochenheit unseres Lebens tritt und uns genau so liebt, wie wir sind.

Wenn das nicht der ersehnte Lichtstrahl in der Dunkelheit ist? Gott macht unser Leben hell, weil er uns liebt und voller Liebe in unser Leben tritt. Er erhellt unsere Dunkelheit, indem er uns mit unserer menschlichen Gebrochenheit leben hilft und schließlich heilsam die Wunden unseres Lebens berührt. Das ist Gottes Angebot an uns, wir brauchen nur JA zu sagen, dann wird er auch heute in unserem Leben ankommen.