Der Herr wird kommen und seine wachenden Knechte Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen – ja wir haben richtig gehört. Der Evangelist Lukas übermittelt genau diese Worte Jesu in den Abschnitt, den wir heute als Evangelium gehört haben. Diese Worte klingen eigenartig in einer Zeit, in einer Gesellschaft, wo eher zählt, Macht zu erlangen und dann zu behalten.

Immer wieder stoßen wir bei den Worten Jesu auf den Gedanken, dass der Herr selbst sich in den Dienst der Seinen stellt. Höhepunkt des Dienstes Jesu ist schließlich das Geschehen im Abendmahlssaal, als Jesus der Herr sich das Trockentuch umbindet, vor seinen Jüngern in die Knie geht und ihnen die Füße wäscht. Seine Worte müssten uns noch im Ohr klingen. Er sagt, versteht ihr, was ich getan habe? Ich habe euch ein Beispiel gegeben. Haben wir verstanden, was Jesus damals getan hat, wie er an seinen Jüngern den Dienst der Fußwaschung tat? Im anschließenden Mahl setzt Jesus noch eines drauf. In Brot und Wein schenkt er sich selbst und am Kreuz gibt er schließlich sein Leben für die Welt.

Wenn wir jetzt hier Gottesdienst feiern, dann erleben wir neu, was sich damals im Abendmahlssaal ereignet hat. Wir sind um den Altar des Wortes und des Brotes versammelt und wissen unseren Herrn in unserer Mitte. Wie damals ist unser Herr unter uns, um sich in Brot und Wein zu verschenken. Er ist in unserer Mitte als einer der dient.

Das II. Vatikanische Konzil hat mit seiner Liturgiereform diese Beziehung Gottes zu den Menschen zur Idee unseres Feierns gemacht. In ihrer Suche haben sich die Konzilsväter an die Ursprünge unseres Glaubens erinnert und das Gottes- und Menschenbild des Evangeliums wieder entdeckt. Es wurde deutlich, dass das christliche Selbstverständnis der letzten 150 Jahre nicht mit der frohen Botschaft des Evangelien zusammenpasste. Aus der Frohbotschaft war eine Drohbotschaft geworden und den Menschen wurde die Freiheit der Kinder Gottes nicht mehr gewährt. Die Konzilsväter haben darüber nachgedacht, was es denn heißt, wenn Jesus immer wieder betont, dass Gott den Menschen nicht als seine Knechte sieht, sondern als seine Kinder und Freunde. Wenn wir Gott aber als unseren liebenden Vater sehen dürfen, dann müssen wir keine Angst vor ihm haben. Denn wo die Liebe ist, da hat Angst keinen Platz. Wer an den Gott Jesu Christi glauben darf, der braucht nicht in Angst und Unterwürfigkeit leben, wie sie Generationen vor uns gepredigt wurde. Gott ist uns ein liebender Vater. Vor ihm dürfen wir als selbstbewusste Menschen aufrecht stehen.

Unsere Eucharistiefeier macht dieses neue befreiende Selbstverständnis deutlich. Wir sind nicht zusammengekommen um vor Gott in die Knie zu fallen und ihm unsere Verehrung darzubringen. Wir sind vielmehr hier, um als Gemeinschaft mit unserem Herrn das Leben zu feiern.

Die letzten Wochen waren geprägt von der Diskussion um die Wiederzulassung der alten Liturgie. Hier muss klargestellt werden, dass mit dieser Wiederzulassung nicht die Liturgie des II. Vatikanums abgesetzt wurde. Papst Benedikt erklärt ausdrücklich, dass die normale, ordentliche Form des Gottesdienstes unsere gewohnte Form der Eucharistiefeier ist. Als außerordentliche Form wurde der alte Ritus ins seiner Reform von Papst Paul VI. zugelassen. Die Reform des Konzils könnte Papst Benedikt auch gar nicht zurücknehmen, denn das Konzil unter Vorsitz des Papstes ist die höchste Autorität der Kirche.

Mich stimmt in der laufenden Diskussion jedoch bedenklich, dass nur die Rede von einer Feier in Latein oder in der Volkssprache ist. Im letzten geht es jedoch nicht um die Sprache, sondern um die Frage, wie der Mensch sich vor Gott versteht. Der alte Ritus sah den Menschen vor einem allmächtigen und strafenden Gott. Der Mensch musste um sein Heil fürchten, wenn er nicht die nötigen Opfer darbrachte. Über 150 Jahre hatte eine Liturgie das Leben der Menschen geprägt, die dem frohmachenden Wort der Evangelien keinen Raum einräumte. Nur das Opfer war für das Seelenheil wichtig. Für eine frohe Botschaft war kein Platz

Das Konzil hat sich in seiner Reform wieder an die Tradition der Christen erinnert. So feiern wir heute Eucharistie wie sie auch die ersten Christen verstanden haben. Wir feiern als Gemeinschaft der Kinder Gottes und versammeln uns, um Gottes frohmachendes Wort zu hören, und zu erfahren, dass er mitten unter uns ist. Wir verstehen uns als Gemeinschaft, in der jeder seinen Platz hat. Dabei spielt sich niemand als Herr auf, der, wie Jesus es formuliert, die Knechte und Mägde schlägt, sondern wir erfahren unseren Herrn als einen, der mitten unter uns ist und uns als seine Schwestern und Brüder ernst nimmt.

Paulus ermutigt uns dazu, festzustehen in dem, was wir erhoffen und überzeugt sein von Dingen, die wir nicht sehen. Wenn wir uns erhoffen, dass wir die Gemeinschaft mit Gott erfahren werden, und das ist Inhalt unseres Glaubens, dann dürfen wir sie bereits heute feiern, jetzt in der Feier der Eucharistie als Gemeinschaft der Kinder Gottes, die ihren Herrn in ihrer Mitte erfahren als einen der dient.