Leben im Gegenwind


Im Rahmen der Berichterstattung über die Olympischen Spiele in China, wurde auch auf die Situation der Christen in der Volksrepublik hingewiesen. Lange verboten und jetzt unter Auflagen geduldet, wächst langsam eine christliche Gemeinde heran. Auch wenn sich im Reich der Mitte die Situation verbessert hat, dürfen wir nicht vergessen, dass Christenverfolgung auch heute eine Realität ist. In der Regel sind es Diktaturen, die in ihrem Herrschaftsbereich christliches Denken und Wirken nicht dulden, Christen unter Druck setzen und sie verfolgen. Ähnlich ist der Hintergrund des Evangelisten Matthäus, der sich mit den eben gehörten Worten an Christen in einer Verfolgungssituation wendet.

Christen bläst Wind entgegen. Dabei ist aber nicht nur an Gläubige in Verfolgungssituationen zu denken, sondern auch an Menschen in einer gottfeindlichen Welt. Gottfeindlich ist die Welt dann, wenn Gott nicht mehr vorkommen soll oder darf. Auch Teile unserer Gesellschaft geben sich Mühe, Gott aus dem Blickfeld des Relevanten zu drängen. Dann heißt es, Gott kann es nicht geben, denn er lässt Leid und Not zu. Gott darf es nicht geben, dem er nimmt dem Menschen seine Freiheit, weil er nur Verbote setzt. Wohl richtiger gesagt, Gott darf es nicht geben, weil er sich zu sehr in die Sachen der Menschen einmischt, denn wo Menschen noch an Gott glauben, da ist nicht allein der Mensch, eine Partei oder ein menschliches System das Maß aller Dinge.

Menschen, die an Gott glauben, müssen sich auf Gegenwind einstellen, denn sie passen nicht in die Denkweisen von Menschen, die sich ihre Welt selbst zusammenbauen wollen. Solche Systeme, von Menschen für Menschen gedacht, kennen nur noch Gesetze und Grenzen, die von Menschen gemacht worden sind. Das soll dann eine Freiheit bringen, die wirklich frei macht. Auf den ersten Blick scheint das zu stimmen, denn endlich hindert nicht mehr der Glaube an Gott die Menschen daran, sich frei zu entfalten. Glaube wurde ja oft genug mit "du darfst nicht" oder du sollst nicht" gleichgesetzt. Doch sich aus der Abhängigkeit Gottes zu winden bedeutet nur scheinbar Unabhängigkeit. Indem sich der Mensch von den Gesetzen Gottes frei macht, gelangt er unverhofft in eine andere Abhängigkeit. Es winkt nicht die absolute Freiheit, vielmehr gelten neue Regeln. Es heißt dann nicht mehr, wie bekomme ich einen gnädigen Gott, sondern wie bekomme ich gnädige Menschen, wie kann ich ihnen gefallen?

Was muss ich tun, um den Menschen zu gefallen? Wie muss ich aussehen oder was muss ich anziehen, sind hier eher nebensächliche Fragen. Deutlicher werden die neuen Abhängigkeiten wenn ich mich zu fragen beginne, was ich denn sagen darf, wie ich auftreten darf oder muss, wen ich kennen und mit wenn ich mich sehen lassen darf oder muss und wem ich aus dem Weg gehen muss, weil es sich in der Gesellschaft nicht gern gesehen wird. Die Regeln der menschlichen Gesellschaft sind eng, oft ungnädig und wechselhaft - nur mal daran gedacht, was uns die Mode alles vorschreibt. Wer genau hinsieht, der entdeckt viele kleine Abhängigkeiten aus denen es sich nur schwer lösen lässt. Die Rede von den dummen Menschen, die an Gott glauben, und deshalb unfrei sind, verschleiert die andere Wirklichkeit, nämlich die Abhängigkeit von den Menschen. In diese Abhängigkeit wächst der Mensch hinein. Doch er kann sich daraus lösen, wenn er wie ein Petrus dem Ruf Gottes folgt. Wer an Gott glaubt, der macht sich zwar von Gott abhängig, fühlt sich aber den Menschen gegenüber freier.

Auf den Ruf Jesu hin, verlässt Petrus das sichere Boot. Bildlich gesprochen überwindet er die Gesetze der Welt. Es gelingt! Erst als es Petrus mit der Angst zutun bekommt, trägt die neue Freiheit nicht mehr. Der Ausstieg gelingt nur mit Gottvertrauen, das sehen wir bei Petrus. Den Ruf Gottes können wir hören. Er ist uns ins Herz geschrieben. Nennen wir ihn innere Stimme - Gewissen. Wir kennen die Stimme Gottes, die uns ruft, und uns aus der Abhängigkeit der Menschen führt.

Wenn wir sagen, dass der Mensch allein seinem Gewissen verantwortlich ist, dann klingt darin eine Unabhängigkeit an, wie sie nur aus dem Glauben an Gott kommen kann. Der Glaube gibt dem Menschen eine Alternative zu den Regeln der Menschen. Er zeichnet ein Bild von menschlicher Gesellschaft, das oft nicht mit den menschlichen Systemen zusammen passt. Dieses Bild spricht von einer gerechten Welt, einer Welt in der nicht Menschen über andere Menschen regieren, in der nicht Menschen im Dienst von Systemen stehen, in der nicht Angst das Leben der Menschen bestimmt. Unser Glaube spricht von einer Welt in der der Mensch frei ist. Denn der Glaubende ist nicht auf das Wohlwollen der Menschen angewiesen, er ist frei von den Erwartungen der Welt. Das ist echte Freiheit.

Diese Freiheit würden uns Manche gerne nehmen, denn sie ist für manchen gefährlich. Menschen, die wirklich frei sind, lassen sich nicht manipulieren. Man hat sie nicht sicher, denn ihre Weltsicht kennt Werte, die nicht von Menschen gemacht sind. Wer glaubt, der lebt mit solch einem Hintergrund. Er kann sich Menschen widersetzen, weil er eine höhere Instanz in seinem Leben kennt. Der Glaubende kann sich Menschen widersetzen, weil er eine andere Stimme kennt, die Stimme Gottes, die Stimme seines Gewissens. Solche Menschen sind für Systeme gefährlich. Sie haben die Kraft, sich gegen Systeme zu stellen und bringen menschliche Gebilde in Unordnung. Diese Menschen lassen Strategien nicht aufgehen und deshalb sind sie unerwünscht, denn sie warten gerne mit Alternativen auf.

Wie leicht das manchmal geht, sehen wir, wenn Politiker sich plötzlich auf ihr Gewissen berufen. Dann werden sie schnell als Nestbeschmutzer verurteilt. Doch was hier leider viel zu selten Personen öffentlichen Lebens vormachen, sollte in allen Bereichen unseres Lebens das selbstverständliche Auftreten der Christen sein. Je mehr Glaubende sich an ihre innere Stimme erinnern und bei wichtigen öffentlichen Vorgängen entsprechend handeln, desto mehr wird sich unsere Gesellschaft auch verändern. Mit Gottvertrauen entsteht dann eine Welt, in der sich Menschen wirklich frei fühlen dürfen, frei von den Zwängen der menschlichen Gesellschaft, weil sie sich von Gott abhängig wissen. Wer an Gott hängt, der hat wirklich sicheren Halt, denn Gott hält, er lässt niemanden fallen.