Brot und Spiele


Brot und Spiele waren und sind ein beliebtes Mittel, um Menschenmassen für sich zu gewinnen. Die römischen Kaiser waren bekannt dafür, dass sie sich die Gunst der Römer mit den Spielen im römischen Zirkus erwarben. Eher verdeckt wird heute mit derselben Methode gearbeitet. Denken wir nur an die blumigen Wahlgeschenke, die uns in der nächsten Zeit angeboten werden.

Menschen lassen sich durch angenehme Geschenke gewinnen. Dabei sind sie oft auch blind für die Umstände, die sich damit verbinden. Auch wenn es um Religiöses geht, nehmen Menschen gerne das Angenehme mit. Etwas fernöstliche Meditation, ein paar Elemente aus dem Bereich der Naturreligionen und einen kleinen Anteil aus dem Schamanentum fügen sich zu einem religiösen Gebilde zusammen. Diese Patchworkreligion oder Pseudoreligion bedient die Suche nach Religiosität auf angenehme Art und Weise und ruft positive Gefühle wach. Dieser Gedanke mag etwas überspitzt formuliert sein, trifft aber so manche Entwicklung in unserer Gesellschaft.

Ähnliches erlebt Jesus. Die Menschen gehen Jesus nach. Er hat ihre Bedürfnisse befriedigt. Bei der Brotvermehrung wurden ihr Hunger nach Brot und ihre Sehnsucht nach Ermunterung bedient. Die Menge ist so sehr von ihm begeistert, dass sie ihn zum König machen will. Lasst uns ihn zum König machen, dass wir nie mehr hungern müssen, endet das Evangelium von der Brotvermehrung, das wir am letzten Sonntag gehört haben.

Doch Religion trägt nicht, wenn sich mit ihr nur angenehme Gefühle verbinden. Esoterische oder pseudoreligiöse Bewegungen bleiben meist auf der Ebene des Gefühls. Sie sprechen die Sinne des Menschen an, gehen aber nicht in die Tiefe. Wenn der Mensch jedoch in Not kommt, wenn er den Weg durch innere Leere und Trockenheit gehen muss, dann verliert er den Halt. Will Religion tragen, dann muss sie tiefer gehen. Sie muss den Menschen eine Orientierung anbieten, die alle Bereiche seines Lebens berührt.

Jesus gibt den Mensch Brot. Es ist seine Antwort auf die Wünsche und Sehnsüchte der Menschen, die sich an ihn wenden. In seiner Verkündigung weist er aber auch auf die Bedingungen hin, die sich mit seiner Botschaft verbinden. Wer sich auf den Weg Jesu begibt, der muss an Jesus glauben als den von Gott gesandten Christus. Dieser Glaube beschränkt sich nicht auf den Glauben an einen Wunderheiler. Er schließt mit ein, sich am Leben Jesu zu orientieren. Damit betrifft er die Lebensbasis der Menschen. Der Glaube an Jesus Christus hat seinen Wiederschein im Leben der Menschen.

Jesu Botschaft lautet: der Mensch ist von Gott angenommen und ernstgenommen. Menschen, die diese Erfahrung machen, wissen sich auch dann von Gott getragen, wenn entsprechende Gefühle für die Anwesenheit Gottes fehlen. Der Mystiker Johannes von Kreuz geht sogar soweit, dass er in seiner Abhandlung über die dunkle Nacht davon spricht, dass die Erfahrung der Gottesabwesenheit zum geistlichen Weg des Menschen gehört und ihn erst in die tiefe Gotteserfahrung führt.

Die Botschaft von der Nähe Gottes, die auch durch die Dunkelheit menschlichen Lebens trägt, nährt sich aus der Verkündigung Jesu und findet ihren Niederschlag in den Evangelien. Sie wird uns von Menschen vermittelt, die ihre Gotteserfahrung weitergeben. Die Evangelien sind wie die gesamte Heilige Schrift eine Sammlung menschlicher Erfahrung, die auf dem Hintergrund des Glaubens gedeutet werden. Wenn wir in der Bibel auch Texte finden, die unserem Glaubensgefühl widersprechen, so versuchen auch sie im Kontext ihrer Entstehung, den Menschen zu vermitteln, dass Gott an ihrer Seite steht und die Wege seines Volkes mitgeht.

Neben der Glaubensvermittlung durch die Heilige Schrift spielen Menschen eine wichtige Rolle, die ihre Erfahrung mit Gott weitergeben. Kinder und Jugendliche haben offene Ohren, wenn Menschen von ihrer Gotteserfahrung erzählen. Aber auch Erwachsene erfahren durch den Austausch über ihre Erfahrung der Gegenwart Gottes Orientierung und Hilfe auf dem eigenen Weg der Gottsuche. Menschen erkennen sich in den Fragen und Suchbewegungen anderer wieder und können so die Lebenswege anderer Menschen mitgehen.

Weitergabe unserer Gotteserfahrung und damit unseres Glaubens geschieht so durch unser Wort, das wir mit anderen Menschen austauschen. Wichtiger jedoch ist ein Leben, das sich auf den Glauben gründet und sich aus dem Glauben nährt. Je mehr uns der Glaube an Jesus Christus bestimmt, desto mehr wird durch unser Leben sichtbar, was wir glauben. Sein Geist beginnt unser Leben zu prägen und wird durch unsere Lebensart erfahrbar. Menschen erleben in der Begegnung mit uns, dass wir an die Gegenwart Gottes in unserer Welt glauben. Dies zeigt sich in den Phasen unseres Lebens, wo wir oben auf sind. Mehr noch wird unser Glaube dann sichtbar, wenn er uns durch die Dunkelheit des Lebens trägt.

Brot sättigt den Hunger der Menschen. Jesu Brot beschenkt den Menschen mit Leben und der Mensch lebt aus der positiven Erfahrung Gottes. Das Geschenk des Glaubens ist aber nicht nur schönes Gefühl. Wird er zum Geist, der unser Leben durchdringt und prägt, dann wird der Glauben zum tragfähigen Grund unseres Lebens.