Bilder von hungernden Menschen werden uns meistens dann vor Augen geführt, wenn man uns schlechtes Gewissen machen will und auf unseren Geldbeutel abzielt. Dazu noch der Satz Jesu, gebt ihr ihnen zu essen, und es müsste im Geldbeutel klingeln. Doch geht es wirklich nur um Brot, was die Menschen brauchen? Sowohl Jesus als auch Elischa sehen die Not der Menschen und schickten Jünger los, diese Not zu lindern. Die sehen dann erstmal einen großen Berg vor sich und die Frage, wie kann das gehen? – doch dann fangen sie an, und es geht. Das wenige, was da ist, reicht und es bleibt noch übrig. Auch wenn die Jünger mit Brot unterwegs sind, so geht es doch um mehr. Die Menschen suchen nicht nur leibliche Nahrung, wenn sie zu Jesus kommen.

Brot, ist zwar ein Grundnahrungsmittel, es steht aber auch für die wichtigsten Dinge, die der Mensch zum Leben braucht. Brot ist zum Symbol geworden für das, was Leben schenkt.

Brot, das steht zuerst für Nahrung. Eine der großen jährlichen Hilfsaktionen heißt Brot für die Welt. Wir beklagen uns, dass jemand nicht einmal ein Stück Brot übrig hatte. Wenn wir von der Brotzeit reden, dann meinen wir damit die nötige leibliche Stärkung, egal was wirklich auf dem Tisch steht. Brot steht für Nahrung an sich, für das was wir zum Leben brauchen. Doch Brot ist Symbol für mehr. Der Mensch lebt nicht nur von der Nahrung. Auch Nähe, Geborgenheit, verschiedene Beziehungen braucht der Mensch, um leben zu können. So ist Brot auch zum Symbol für Gemeinschaft geworden. Damit Brot entstehen kann, braucht es viele Körner, die sich mahlen und dann backen lassen. Nur weil die Körner sich selbst aufgeben und hineinnehmen lassen in das Ganze, entsteht Brot. Gleiches gilt für uns als Gemeinschaft. Auch wir wachsen zur Gemeinschaft zusammen, je mehr wir etwas von uns aufgeben und uns in die Gemeinschaft einbringen. Um Gemeinschaft geht es auch, in der Geschichte vom Bäcker Jakob. Bei ihm kommen immer wieder Menschen vorbei, die sich bei ihm aussprechen. Die einen haben Not, andere kommen im Streit. Bäcker Jakob teilt mit ihnen ein Stück Brot und die Menschen fühlen sich getröstet, sogar die Streithähne gehen versöhnt auseinander.

Brot ist nicht nur Symbol für Gemeinschaft, es ist auch Zeichen dafür, dass Menschen Leben teilen oder Trennendes beseite räumen. Das geteilte Stück Brot stiftet Gemeinschaft.

Für uns Christen schließlich ist Brot zum Brot des Lebens geworden. Es ist Ort der Gegenwart Christi unter uns Menschen. Im Brechen des Brotes erinnern wir uns an die Hingabe Jesu im letzten Abendmahl. Doch es ist mehr als nur eine Erinnerung. Was im Abendmahlssaal geschah, geschieht wieder. Im Brechen des Brotes ist Christus in uns und unter uns gegenwärtig. Christus selbst ist da und wird zum Bindeglied zwischen Gott und Mensch und zwischen uns Menschen, die wir von diesem Brot essen. Es entsteht Gemeinschaft durch die Gegenwart Gottes.

Brot – Symbol für all das, was wir zum Leben brauchen. Sei es für unseren Leib, sei es für unsere Seele und unseren Geist. Doch da ist noch die Aufforderung Jesu: Gebt ihr ihnen zu essen! Es ist nicht nur so, dass Brot unsere Nahrung ist. Wir sollen es sein, die unsererseits anderen Menschen das zum Leben nötige geben.

Gebt ihr ihnen zu essen, diese Aufforderung will unseren Blick in die Welt lenken, hin zu den Menschen, denen das Nötige fehlt. Dabei geht es weniger darum, mit entsprechenden Finanzspritzen die Menschen zu unterstützen. Wichtiger ist die Frage nach der Gerechtigkeit in der Welt. Was tun wir, damit Menschen das bekommen, was ihnen gerecht wird. Da geht es um gerechte Beziehungen zwischen Menschen und Nationen, wo nicht Macht und Ausbeutung die Regeln bestimmen und schließlich ein Volk als Verlierer dastehen muss, da geht es darum, dass jeder Mensch in seiner Würde und seinem Wert gesehen und respektiert wird. In heutiger Zeit ist es viel wichtiger, auf gerechte Strukturen hinzuarbeiten und schlechte Abhängigkeiten aufzulösen als mit Spenden Abhängigkeiten zu unterstützen. Erst wenn hier Probleme gelöst sind, dann wird Gerechtigkeit und Frieden möglich werden und jeder Mensch bekommt das, was er zum Leben nötig hat. Kleine Schritte geschehen bereits dann, wenn wir zu fair gehandelten Produkten greifen und bereit sind Preise zu bezahlen, die sich an der Leistung der Erzeuger orientieren.

Gebt ihr ihnen zu essen, das heißt auch, den Blick in die Runde zu werfen und zu fragen, mit wem kann ich es nicht und mit wem müsste ich mich schon lange wieder einmal zusammen setzen. Gestörte Beziehungen engen ein. Sie nehmen uns Menschen die Luft zum Atmen und machen uns das Leben schwer. Manchmal wäre es gar nicht weit, bis wir die Hindernisse aus dem Weg räumen könnten. Doch es ist schwer, den ersten Schritt zu tun und damit auf den anderen zuzugehen. So warten wir gegenseitig aufeinander und nichts geschieht. Auch wenn es um Gemeinschaft geht, müssen wir uns immer wieder fragen, was wir bereit sind dafür zu tun, dass Gemeinschaft entsteht. Schließlich wächst Gemeinschaft in dem Maß, in dem Menschen bereit sind, etwas zu geben nicht vom Nehmen.

Gebt ihr ihnen zu essen, das gilt auch für das Brot des Lebens, das wir durch Christus bekommen. Augustinus schreibt, empfangt was ihr seid, seid was ihr empfangt, Leib Christi. Uns muss immer wieder bewusst sein, dass wir im Brot Jesus Christus empfangen und wir dadurch verändert werden. Christus wird in uns und in jedem Menschen gegenwärtig, der seinen Leib empfängt. Ich selbst werde so zum Ort der Gegenwart Gottes, zum Tabernakel, zum Christusträger. Das verbindet mich eng mit Christus und eng mit den Menschen. Jeder von uns ist Christusträger und damit durch Christus zur Gemeinschaft verbunden. Die Liebe, die von Christus kommt, wird in uns wirksam und wir werden zum Ort, wo Gott seine Liebe lebt. Gottes Liebe geht so mit uns in den Alltag hinein. Gott dient den Menschen nicht nur innerhalb dieser Mauern, durch uns wirkt er auch vor den Kirchentüren.

Gebt ihr ihnen zu essen! Die Jünger fragen sich, wie sie mit ihren wenigen Möglichkeiten was tun können. Uns geht es wohl ähnlich. Wenn wir aber mit unseren Möglichkeiten anfangen, dann kann damit Großes geschehen. Schließlich heißt es im Evangelium: Alle aßen und wurden satt. Als sie die übriggebliebenen Stücke einsammelten, da waren es 12 Körbe voll.)