Hungerstillen - jesuanisch


Menschen hungern nach Brot und ihr Hunger wird mit Überfluss gestillt. Die Geschichte der wunderbaren Brotvermehrung ist uns allen von Kindheit an vertraut. Menschen kommen zu Jesus. Er sieht ihre Not, lässt sie gewähren und stillt ihren Hunger.

Brot ist Grundnahrungsmittel. Auch wenn wir heute eine breite Palette an Lebensmitteln gebrauchen und unseren Hunger auf vielerlei Weise stillen, so wird doch in keinem Haushalt Brot fehlen. Brot ist nicht nur Nahrung, es ist auch Symbol für das Leben überhaupt. Damit ist der Hunger nach Brot auch Zeichen der Sehnsucht des Menschen nach Leben. Menschen, die zu Jesus kommen, hungern nicht nur nach Brot. Sie hungern auch nach Liebe, nach Gerechtigkeit, nach Freiheit, nach Leben. Mit ihrem Hunger kommen sie zu Jesus und werden gesättigt.

Jesus stillt den Hunger der Menschen nach Liebe. Im Zentrum der Verkündigung Jesu steht die Botschaft von der Liebe Gottes. Jesus wird nicht müde davon zu erzählen, dass Gott den Menschen nahe ist, weil er die Menschen liebt. Er selbst ist mit seiner Person Zeichen der Liebe Gottes. Es verbinden sich in Gottes Sohn Gott und Mensch zu einer Einheit. Diese enge Verbindung zwischen himmlischem Vater und Sohn zeigt sich in der Art und Weise, wie Jesus lebt. Wer ihm begegnet, der erlebt die Liebe, die Gottes Geist wirkt.

Jesus stillt den Hunger der Menschen nach Leben. Der Wunsch nach ewiger Jugend, der uns in der heutigen Zeit auf vielfältige Weise gezeigt wird, ist Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach unvergänglichem Leben. Der Mensch will Leben und dieses Leben soll nicht enden. Wenn Jesus Menschen von den Toten erweckt, dann nicht nur, um ihnen irdisches Leben zurückzugeben. Vielmehr will er den Menschen Perspektive geben, die sie antreibt. Nicht nur Hoffnung auf ewiges Leben ist Ausdruck dieser Perspektive. Tod sind auch Menschen, die im Denken unbeweglich und starr geworden sind. Immer wieder tritt Jesus mit den Pharisäern und Schriftgelehrten in Auseinandersetzung. Diese stehen für Unbeweglichkeit und Starre in ihren Vorstellungen von Religion und Gesellschaft. Mit seiner Verkündigung bietet Jesus den Menschen eine Alternative zu den engen Vorstellungen ihrer religiösen Führer an und wird dankbar gehört. Menschen erhalten damit auch Perspektive, wenn sie ihnen von ihrer Gesellschaft nicht mehr geboten wird. Denken wir an den Umgang Jesu mit Sündern und Aussätzigen, die von ihren Mitmenschen geächtet waren. Sie waren wie tot für die Gesellschaft und wurden ausgegrenzt. Die Begegnung mit Jesu öffnet ihnen den Weg zurück in die Gemeinschaft. So erhalten sie eine neue Lebendigkeit als Teil ihrer Gesellschaft.

Jesus stillt den Hunger der Menschen nach Freiheit. Er bricht die Enge des menschlichen Gesetzes auf und bietet den Menschen Gottes Weite an. Zu den Strömungen unserer Zeit gehört auch das Bemühen, den Glauben an Gott ins Abseits zu rücken. Das betrifft nicht nur den christlichen Glauben sondern alle Religionen. Im Namen des Humanismus wird versucht, religiöses Denken in unserer Gesellschaft zurückzudrängen. Gott soll in der modernen Gesellschaft keinen Platz mehr haben. Sein Platz wird vom Menschen eingenommen. So verlockend diese Gedanken sind, gerade wenn wir erleben, wie im Namen von Religion Unheil geschah und geschieht, so gefährlich ist solches Denken. Wenn es nur noch der Mensch ist, dem Menschen verantwortlich sind, dann wird der Mensch auch vom Menschen abhängig. Die Botschaft Jesu spricht von der Unabhängigkeit des Menschen vom Menschen. Allein Gott ist der Mensch verantwortlich. Gott aber steht über den Menschen, er ist menschlicher Verfügung entzogen. Nur bei Gott findet der Mensch Halt, der über menschliche Vorstellungen hinausgeht. Hier kann der Mensch einen Halt finden, der auch in den Unsicherheiten menschlichen Lebens trägt.

Jesus stillt den Hunger der Menschen nach Gerechtigkeit. Gerecht ist, was dem Menschen gerecht wird. Damit ist klar, dass es nicht um Gleichmacherei von Menschen geht. Vielmehr erfordert die Suche nach Gerechtigkeit, dass der Mensch in seiner Eigenheit wahrgenommen und respektiert wird. Jesus handelt so, dass er dem Menschen gerecht wird. Er nimmt wahr, was ein Mensch wirklich braucht, nimmt den Menschen mit seinen Bedürfnissen ernst und gibt dem Menschen, was seiner Not abhilft. So werden Menschen geheilt und erfahren Vergebung ihrer Schuld. Gerechtigkeit ist eines der großen Themen unserer Zeit. Gerechter Lohn für gute Arbeit ist eines der Schlagworte aus dem Bereich der Politik, das wir in den nächsten Wochen immer wieder hören werden. Gerechte Entlohnung von Menschen und gerechte Bezahlung von Rohstoffen und Lebensmitteln sind sicher wichtige Forderungen, wenn es um Gerechtigkeit geht. Wichtiger ist noch, dass jeder Mensch das erhält, was ihm gerecht wird. Dazu gehört, dass Kinder Kind sein dürfen und Jugendliche ihre Jugend erleben können. Dazu gehört auch, dass die Älteren unserer Gesellschaft Rahmenbedingungen für ein Leben in Würde erhalten. Nur wenn alle Menschen zu ihrem Recht kommen, wird Gerechtigkeit möglich und im letzten Frieden für alle erwachsen.

Jesus gibt den Menschen Brot, er stillt den Hunger der Menschen nach Leben. Er stillt ihre Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Frieden und Liebe. Zur Seite stehen ihm Menschen, die in seinem Geist für die Mitmenschen da sind. Der Geist Jesu erfüllt auch uns. Denn er macht das Leben der Getauften aus. Wenn wir beginnen, die Sehnsucht der Menschen unserer Zeit wahrzunehmen, sie ernst zu nehmen und zu stillen, dann ist dieser Geist in uns erfahrbar. Viele Menschen werden gesättigt werden und es wird noch übrig sein.