Was nichts kostet?


Was nichts kostet, ist nichts wert, sagt der Volksmund. Ob das so stimmt, ist eine andere Frage, aber hinter diesem Wort steht doch die Vermutung und Erfahrung, dass uns vieles erst dann als wertvoll erscheint, wenn wir es uns was kosten lassen müssen. Ähnliches kennen wir aus unserem eigenen Kontext. Wenn uns eine Idee oder Überzeugung ergreift, dann setzen wir auch alles daran, diese Idee in die Tat umzusetzen. Oder wenn Kindern etwas besonders wichtig ist, dann fangen sie an zu handeln und versuchen mit entsprechenden Versprechen ihre Eltern umzustimmen. Ähnliche Erfahrungen stehen auch hinter den Bildern des heutigen Evangeliums. Perle und Schatz sind beides Werte, die denjenigen viel kosten, der sie für sich erwerben will.

Nun überträgt Jesus diese beiden Bilder auf das Reich Gottes. Jeder weiß, dass sich das Reich Gottes nicht so einfach kaufen lässt. Es gibt zwar die grundsätzliche Zusage Gottes, dass uns das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit geschenkt ist, aber wo ist es denn nun zu finden? Gilt hier auch der Satz: Was nichts kostet, ist nichts wert? Das wäre ein eigenartiges Geschenk, das Gott uns hier machte.

Vielleicht müssen wir uns eher fragen, was lassen wir uns dieses Reich Gottes wirklich kosten. In Jesus Christus haben wir die Idee des Reiches Gottes vorgestellt bekommen. Wenn wir das Leben des Gottessohnes lesen, dann sehen wir, wie dieses Reich des Friedens und der Gerechtigkeit aussehen könnte. Aber es ist zuerst nur eine Idee. Und solange diese Idee von niemand ernsthaft aufgegriffen wird, wird sie eine Idee bleiben.

Eine spirituelle Weisheit lautet: die Gnade setzt die Natur voraus. Wenn der Mensch nicht auf die Suche geht, weil er sich selbst genügt, dann kann Gott ihm noch so viele Geschenke machen, der Mensch wird nichts damit anfangen. Weitergedacht wird nichts aus der Idee eines Reiches Gottes werden, wenn es nicht Menschen gibt, die sich daran machen, das Himmelreich auf Erden zu gestalten. Ähnliches gilt im Blick auf unsere Gesellschaft und unser Land. Genügend Menschen beteiligen sich daran, die Verhältnisse in unserem Land zu kritisieren und entsprechende Forderungen zu stellen. Wo jedoch die Forderungen allein bleiben und niemand bereit ist, Hand an die Verbesserung unserer gesellschaftlichen Bedingungen zu legen, wird nichts geschehen.

Was nichts kostet, ist nichts wert, auch wenn es uns geschenkt ist. Die Gesellschaft, unsere Demokratie mit all ihren Freiheiten, haben wir von unseren Vorfahren bekommen. Klar ist nicht alles angenehm, was wir hier bekommen haben. Doch was ist diese Gesellschaft wert, wenn wir sie uns nichts kosten lassen, weil sie uns nicht interessiert und wir nur ihre Vorzüge genießen wollen. Gesellschaft will gestaltet sein, sie entsteht nicht von selbst.

Sehen wir unseren Glauben an. Die allermeisten von uns sind durch ihre Eltern in den christlichen Glauben hineingegeben worden. Doch dafür, dass dieser Glaube für uns Halt und Sinn geben kann, müssen wir etwas tun. Erst in der Auseinandersetzung mit Gott, mit der Heiligen Schrift, mit der Tradition unserer Kirche, wird der Glaube zu einem tragfähigen Grund für unser Leben.

Auch das Himmelreich entsteht nicht nur von selbst. Es braucht Menschen, die sich von der Idee des Reiches Gottes so sehr anstecken lassen, dass sie sich für eine gerechte und friedvolle Welt einsetzen. Das beginnt bereits bei einer so einfachen Fragen wie dem Verhältnis zu unseren Verwandten oder Nachbarn. Die Klage über ein schlechtes Verhältnis allein gibt noch keine Veränderung. Erst wenn wir beginnen die ersten Schritte auf den Nächsten hin zu tun, wird sich etwas entwickeln. Hier im Kleinen beginnt Gottes Reich zu wachsen. Und es wachsen zu lassen, kostet uns weniger viel Geld als eher viel an Mut, über unseren eigenen Schatten zu springen. Doch wer diesen Sprung wagt, wird oft beschenkt.

Zum Schluss noch eine kurze Geschichte: Ein Mann geht durch eine Einkaufsstraße und entdeckt ein Geschäft mit der Werbung "Wir verkaufen alles". Der Mann betritt das Geschäft und bestellt: "Wohlstand für alle Menschen, Frieden zwischen allen Völkern und Gerechtigkeit für alle!" "Kein Problem" sagt der Verkäufer und überreicht dem Kunden eine kleine Tüte mit Körnern. Verdutzt frägt der Mann zurück: "und wo ist meine Ware?" Der Verkäufer