Als ich vor 10 Jahren auf Insel Wangerooge Praktikum machte, erklärte mir Pastor Kurt Weigl, dass der Vorteil eines Inselurlaubes der sei, dass man dann im Urlaub mit gutem Gewissen nichts tue, weil man nichts tun könne. Inselurlaub kennt nicht den Druck, jeden Tag eine Kirche oder ein Museum oder eine Stadt zu besuchen, um dann sagen zu können, wir haben alle Sehenswürdigkeiten gesehen. Mit solchen Touren sind wir auf der Insel schnell am Ende und dann ist Zeit für Nichtstun.

Nichtstun – das wirft Martha ihrer Schwester Maria vor. Maria sitzt in ihren Augen nur rum und tut nichts - nur zuhören, während sie sich um alles kümmern muss. Martha legt große Geschäftigkeit an den Tag und findet immer noch etwas, was zu tun ist, dass ihr Besuch ja gut versorgt ist. Dann muss sie sich auch noch ärgern, dass Jesus ihre Schwester in ihrer Faulheit noch unterstützt und meint, diese habe das Notwendige erwählt. Sieht der denn gar nicht, dass es nichts gäbe, wenn sie nicht wäre? Hören wir nochmals das Wort Jesu: Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden.

Jesus geht es nicht darum, die Mühen Marthas nicht zu schätzen, er weist sie aber darauf hin, dass sie in ihrer Geschäftigkeit das übersieht, was wirklich notwendig ist. Martha tut viel mehr und übersieht dabei die andere Dimension seiner Anwesenheit. Jesus möchte nicht nur umsorgt werden, sondern den Menschen auch begegnen. Dazu braucht es aber Zeit und Ruhe. Maria hat diese Dimension erkannt, deshalb setzt sie sich zu Füßen Jesu und hört einfach zu.

Diese Szene des Evangeliums kann für uns Denkanstoß sein, unseren Alltag mal unter die Lupe zu nehmen und zu fragen, was ist denn für uns wirklich notwendig, wendet also Not, und was ist zwar nützlich, kostet viel Zeit und müsste aber nicht sein? Das soll nicht ein Aufruf zu Faulheit und Bequemlichkeit sein, doch nehmen wir uns wirklich Zeit für alle Notwendigkeiten?

Klar, Arbeit ist notwendig. Sie dient zum Lebensunterhalt, zur Selbstbestätigung und manch anderem. Doch wo bleiben Notwendigkeiten wie Familie, Freunde, Hobbies als Ausgleich zur Arbeit. Wo bleibt die Notwendigkeit, einmal in Ruhe über sich selbst nachzudenken? Die Rückbesinnung auf das Notwendige bedeutet, es zählen nicht mehr nur das Meiste, das Beste, das Größte. Es zählt das, was uns wirklich gut tut und wirklich Raum zum Leben gibt. Dazu gehören Menschen, die uns wichtig sind, dazu gehört Ruhe und Erholung, dazu gehört auch Halt, den uns Menschen nur schwer geben können.

In der Lesung hören wir die Erfahrung des alten Abraham. Auf Gottes Ruf hin hat er sich auf den Weg in die Ungewissheit gemacht. Nun sieht er dem Ende seines Lebens entgegen. Vieles hat er erreicht doch Nachkommen sind ihm versagt geblieben. Nun wird ihm Nachwuchs verheißen. Sara soll gelacht haben, weil sie daran nicht glauben konnte. Abraham aber vertraut und es wird ihm ein Sohn geboren.

Notwendig für unser Leben ist auch Gottvertrauen, wie es Abraham hat. Im Leben gibt es Situationen, wo wir nicht mehr richtig weiter wissen, wo uns niemand genau sagen kann, ob unsere Richtung stimmt und wo es wirklich hingeht. Dann brauchen wir das Vertrauen in Gott, wie es Abraham hat. Vertrauen in Gott gibt unserem Leben eine Dimension über das menschlich Machbare hinaus. Er kann dann tragen, wenn alles hoffnungslos scheint und alle Wege Sackgassen zu sein scheinen. Unser Leben kennt dann eine verborgene Kraft, die uns Mutlosigkeit überwinden und an die Zukunft glauben hilft. Unser Glaube bekommt Nahrung, wenn wir nicht nur machen wollen, sondern uns selbst zurücknehmen und hören, hören auf die Stimme in unserem Innern, auf die Stimme Gottes. Nichtstun wird dann zur Notwendigkeit, weil wir nur so die nötige Ruhe finden, in der Gott uns ansprechen kann.

Ich wünsche uns, dass wir neben den vielen Dingen, die unseren Alltag bestimmen die Notwendigkeiten nicht übersehen, die uns wirklich leben lassen. Vielleicht hilft uns die Ruhe einer Insel ja auch, wieder neu auf Gott zu hören und ihn als tragendes Moment in unserem Leben zu entdecken.