Der, der Unkraut sein lässt


Wer hat nicht schon mal still oder laut gedacht, da soll doch der Blitz drein schlagen? Ein wenig frommer Wunsch, der uns meistens dann entfährt, wenn wir eine Situation erleben, die wir als zu tiefst ungerecht erleben. Eben dann, wenn wir alles andere als dne Himmel auf Erden erleben.

Es gibt leider zu viele Menschen, die in unseren Augen verhindern, dass das Himmelreich schon jetzt erlebbar ist. In die himmlische Saat wurde, um im Bild des Evangeliums zu bleiben, zu viel Unkraut gesät. Da kann es mit dem Himmelreich nichts werden. Also mutig angefasst und das Unkraut ausgemerzt, sobald es sich zeigt. Doch Jesus warnt davor, so schnell zu reagieren.

Wie so oft, nimmt Jesus ein Bild aus der Landwirtschaft, um etwas über das Reich Gottes zu erzählen. Heute hören wir das Bild von der Aussaat, in die dann ein böser Feind schlechte Körner aussät. Normal wäre es, dass der Landwirt dem Unkraut an den Kragen geht, als er es treiben sieht. Im kleinen Rahmen hilft dabei Ausreißen, doch im größeren Feld wird zum Gift gegriffen. Allerdings, so lehrt uns unsere Erfahrung, trifft man mit dem Gift auch die guten Pflanzen. So genau lässt sich nicht arbeiten, dass man nur das Unkraut vertilgt. Der Rat Jesu ist somit gar nicht so schlecht, zu warten bis alles ausgewachsen ist und dann sauber zwischen Nutzpflanzen und Unkraut zu trennen. Die berechtigten Einwände der Landwirte, dass damit den Nutzpflanzen wichtige Nährstoffe und auch Platz entzogen wird, lasse ich bei Seite - jedes Bild hinkt etwas.

Das Bild vom Acker soll ein Bild für das Himmelreich sein und da geht es nicht um Pflanzen sondern um Menschen. Auch hier denken wir uns immer wieder, es könnte ja so schön sein, wenn da nicht diese besonderen Menschen wären. Doch es gibt sie, die Zeitgenossen, die mit ihrem Machtstreben und ihrem Herrschaftsdrang in die Welt der Anderen eindringen. Menschen, die mit Missgunst und Neid jede gute Stimmung zerstören oder mit Intrigen die Atmosphäre in unseren Gemeinschaften vergiften. Beispiele gibt es genügend. Die Welt wäre ein Paradies, wenn die Menschen nicht wären. Hier wünscht sich denn auch der eine oder andere, dass der dann nicht mehr ganz so liebe Gott mit seinem Blitz dazwischen fährt - solange er nicht einen selber trifft. Gott soll dazwischen fahren, damit alles wieder in Ordnung ist. Aber Gott tut nichts. Er lässt den Acker der menschlichen Gemeinschaft wachsen und so Nutzpflanzen und Unkraut aufgehen. Schließlich lässt sich nicht so genau erkennen, was wirklich Unkraut ist.

Gott lässt es zu, dass der Mensch wächst. Er merzt niemanden aus, jeder darf sich entwickeln. Wer weiß, was aus einem Menschen wird, wenn nur die Umstände zum Positiven verändert werden und er entsprechende Möglichkeiten zum Wachsen bekommt. Vielleicht ist ja nur die Umgebung ungünstig. Unkraut ist schließlich nur dort ein Unkraut, wo es der Mensch nicht haben will. Seiner Natur nach kann es sogar ein Heilmittel sein - siehe der Ackerschachtelhalm in unserem Garten. Für Gott ist kein Mensch zum Unkraut verkommen, Jeder darf leben. Erst das Ende des Lebens wird zeigen, welche Rolle ein Mensch gespielt hat. Soweit klingt ja alles einleuchtend doch sollten wir uns fragen, wo wir im Gleichnis Jesu vorkommen.

Da könnte es sein, dass wir als Unkraut angesehen werden, weil wir den Anderen nicht ins Konzept passen und deshalb weichen müssen. Hier dürfen wir uns an Gottes Zusage halten, dass er uns leben lässt.
Dann könnte es sein, dass wir Andere als Unkraut ansehen, weil sie uns nicht ins Konzept passen und deshalb weichen müssen. Hier müssen wir uns an Gottes Zusage halten, dass er die Anderen leben lässt.
Schließlich könnten wir es sein, die das Unkraut in das Paradies unserer menschlichen Gemeinschaft säen. Dann allerdings sollten wir, was tun, nämlich dafür sorgen, dass Gottes gute Saat nicht mehr durch das menschliche Unkraut der Ungerechtigkeit und des Unfriedens beeinträchtigt wird. Das Himmelreich wird da in Ruhe wachsen können, wo wir unseren Beitrag leisten, aus dieser Welt ein Paradies zu machen.