Gedanken von mir
 

Saat, die aufgeht

Wenn ein Gärtner säen will, dann sorgt er zuerst dafür, dass er ein geeignetes Beet für den Samen findet. Er sucht einen Platz mit guter Erde. Vielleicht braucht es etwas Dünger. Das Beet darf nicht zuwenig und nicht zuviel Sonne haben und auch für die richtige Feuchtigkeit muss gesorgt sein. Es braucht eine Reihe von Vorbereitungen, um schließlich gute Bedingungen zu haben, die Samen aufgehen, wachsen und reiche Frucht bringen lassen.

So gesehen, ist der Sämann des Evangeliums ein schlechter Gärtner. Wie wir im Gleichnis Jesu hören, schaut er nicht darauf, dass es ein bestimmtes Beet mit guter Erde ist, in die er seinen Samen verteilt. Viel mehr geht dieser Sämann sehr großzügig mit seinem Samen um. Wahllos verteilt er ihn über die Erde und es scheint ihm nichts auszumachen, dass ein Großteil seines Samens kaum den richtigen Lebensraum findet. Nur ein kleiner Teil geht auf und bringt reiche Frucht.

Das Gleichnis Jesu ist ein Bild für das Wirken Gottes. Gott ist dieser großzügige Gärtner und der Same ist sein Wort, das er über die Erde verteilt. Bereits der Prophet Jesaja schreibt davon, dass Gottes Wort in die Welt kommt. Es ist ein Same der aufgeht und das bewirkt, was Gott will. Gott vertraut darauf, dass sein Wort in der Welt Früchte trägt und in Jesus Christus hat sich gezeigt, wie Gottes Wort in der Welt und für die Welt wirkt.

Gott teilt sein Wort großzügig aus. Es ist nicht seine Art, zuerst die Menschen in verschiedene Gruppen einzuteilen. Er sortiert nicht in würdige und unwürdige, in empfängliche und verweigernde. Er schaut nicht darauf, ob ein Mensch bestimmte Voraussetzungen mitbringt, um ihm dann sein Wort einzupflanzen. Unbesehen sät Gott sein Wort an alle aus und vertraut darauf, dass es Menschen gibt, in denen sein Wort aufgeht und Frucht bringt.

An Gott liegt es also nicht, wenn sein Wort keine Frucht bringt, denn Gott verschenkt sein Wort reichlich. Er tönt es in jeden Winkel unserer Erde, wo Menschen leben. Die Frage ist nur, ob wir, die Menschen, bereit sind sein Wort aufzunehmen.

Ein Blick in die Welt lässt viele fragen, ob da Gottes Samen aufgehen kann. Der Apostel Paulus meint dazu: die Schöpfung Gottes ist vergänglich, sie ist von Gott als etwas Vergängliches gemacht worden, aber nicht um sich selbst zu zerstören, sondern um sich zu verändern. Die Schöpfung und damit die Menschen sind kein hoffnungsloser sondern ein hoffnungsvoller Fall, denn sie befindet sich auf einem Weg in die Vollendung, in die Freiheit und Herrlichkeit Gottes. Das ist das Ziel, auf das hin Schöpfung angelegt ist und das sie auch erreichen wird. Der Weg in die Herrlichkeit Gottes ist unser Weg. Auf diesem Weg werden wir uns als die erfahren, die wir wirklich sind, Töchter und Söhne Gottes. Dann wenn wir dieses Ziel erreicht haben, ist Gottes Wort wirklich in uns aufgegangen. Doch bis dahin haben wir noch einiges an Weg vor uns.

Gott sät mit vollen Händen sein Wort in die Welt. Sind wir aufnahmebereit – nicht die anderen – wir?

Ein Same der aufgehen soll, braucht Erde. Wenn Gottes Wort aufgehen soll, dann braucht es auch Erde. Menschen, die Gottes Wort hören, müssen gleichzeitig geerdet sein. Sie brauchen den Kontakt zur Wirklichkeit der Welt. Nur dann findet Gottes Wort die Nahrung, die es braucht. Worte Gottes sind zwar auch Träume und Ideen, die zuerst unwirklich klingen, sie haben aber immer einen Bezug zur Wirklichkeit, in der ein Mensch lebt. Es geht deshalb nie darum, dass beispielsweise wir hier in Europa Menschen in Asien sagen, was sie zu tun haben, sondern immer darum, dass Gottes Wort uns in unserer Wirklichkeit und für uns etwas zu sagen hat. Die Geschichte Gottes mit den Menschen hat immer einen direkten Bezug zum Leben und verändert zuerst den Menschen, den es trifft.

Damit ein Same aufgehen kann, braucht er Wasser. Immer wieder ist Feuchtigkeit nötig, damit er aufgehen kann. Wenn wir Gottes Wort hören, dann mag es in uns etwas anstoßen, richtig in Bewegung kommen wir aber nur, wenn dieser Anstoß immer und immer wieder kommt. Erst ein stetiger Tropfen bringt den nötigen Antrieb, der uns in Gang kommen lässt. Gottes Wort ist keine Eintagsfliege, es ist ein ständiger Begleiter und lässt nicht locker.

Ein Samenkorn braucht Luft, damit es keimen und Frucht bringen kann. Soll Gottes Wort in uns zu wachsen beginnen, dann dürfen wir ihm nicht die Regeln vorschreiben, wie es sich entwickeln darf. Unsere Vorstellungen, unsere Gedanken sind Gottes Wort oft mehr im Weg, als viele äußere Gegebenheiten. Gott hält sich in seinem Wirken nicht an die Regeln der Menschen, sondern hat seine eigene Idee zur Vollendung seiner Schöpfung.

Erde, Wasser und Luft, Verwurzelung in unserer Wirklichkeit, andauernder Anstoß und innere Weite, alles zusammen sind das die Bedingungen, dass Gottes Wort in uns in reiche Frucht bringen kann.

Gott tut das Seine, wenn er sein Wort großzügig in die Welt an die Menschen verteilt. Tun wir das unsere, dass wir zum fruchtbaren Boden werden, in dem Gottes Wort aufgehen kann. Dann trägt sein Wort durch uns reiche Frucht für die Welt.