Da konnte er kein Wunder tun, nur ein paar Kranke heilte er, endet das heutige Evangelium. Ist Jesus Christus nicht der allmächtige Wundertäter, dass er hier plötzlich auf die Menschen angewiesen ist?

Jesus kehrt in seiner Heimat ein und tritt vor den Menschen von Nazareth auf. Doch so recht kommt er nicht an. Er trifft auf Menschen, die ihn zu kennen glauben. Hier gibt es feste Vorstellungen über den Zimmermannssohn. Als solcher ist Jesus bekannt und der soll nun der große Wundertäter sein, dem alle zujubeln? Der doch nicht. Jesus trifft auf eine Mauer vorgefertigter Meinungen und scheitert. Resigniert zieht er weiter.

Die Situation in Nazareth lässt sich gut auf uns Menschen übertragen. Wir kennen Jesus zwar nicht als den, der in unseren Reihen aufwächst, haben aber doch unser Bild von Jesus und von Gott. Dieses Bild wurde durch unsere Erziehung, durch die Kirche und durch unsere persönliche Auseinandersetzung mit Gott geprägt. Dieses Bild kann sehr beweglich sein und viel Spielraum für die Erfahrung Gottes lassen, es kann aber auch sehr konkret und eng ausgefallen sein. In jedem Fall bestimmt es unsere Offenheit für Gottes Wirken. Wenn nun Gott in unserem Leben am Werk sein soll, dann geht das solange gut, solange er sich nach unserem Denken richtet. Wir werden ihn in unserem Leben entdecken und werden ihn annehmen. Wenn er jedoch aus unserem Rahmen fällt, dann wird es schwierig. Können wir Gott dann als den uns Fremden glauben?

Wir glauben an Gottes Wirken in der Welt. Wir glauben, dass er ein Reich errichten will. Aus den Reden Jesu erahnen wir, dass Gottes Reich wenig mit den Ungleichheiten zwischen den Völkern unserer Zeit zu tun hat. Gott will, dass jedem Menschen das zukommt, was er zum Leben braucht. Gottes Reich klingt verlockend. Wie gern hätten wir es, dass Gott mit seiner Allmacht in die Abläufe unserer Gesellschaft und unseres Lebens eingreift und sein Reich errichtet. Doch er scheint nichts zu tun. Das Wunder, das unsere Gesellschaft und unsere Welt umkrempelt, bleibt aus. Kommt Gott nicht an? Kann er bei uns kein Wunder tun?

Der Mensch hat zwei Möglichkeiten, Wunder zu verhindern. Zuerst kann der Mensch ganz einfach seinen Hände in den Schoß legen und warten, dass sich die Dinge von selbst entwickeln. Es wird gar nichts geschehen. Der Glaube an die Wunder Gottes heißt nicht, dass dem Menschen sein Tun aus der Hand genommen ist. Nur wo der Mensch sich selbst darum bemüht, dass Dinge sich ändern, dort wird auch Gott mithelfen, dass sich etwas tut.

Auch wenn der Mensch meint, dass er alles selbst erledigen kann, wird er vergeblich auf Wunder warten. Ich muss als Mensch damit rechnen, dass auch Gott in unser Leben tritt und mittut. Wenn wir mit Gottes Handeln rechnen, dann werden auch Wunder möglich.

So eigenartig es klingt, aber es scheint so, dass Gott bei seiner Wundertätigkeit auf uns angewiesen ist. Es ist nicht seine Art, an den Menschen vorbei zu wirken. Vielmehr nimmt er uns Menschen ernst und nimmt uns in Dienst.

Paulus spricht von Schwachheit und Ohnmacht, die er erlebt. Was der Apostel damit genau meint, lässt sich nicht konkret sagen und doch können wir uns seine Worte zu Herzen nehmen. Wir haben oft das Gefühl, als müssten wir Übermenschen sein, um all das zu meistern, was auf uns zukommt. Hören wir Paulus zu, dann merken wir, dass wir nicht in die Rolle eines Übermenschen schlüpfen müssen. Vielmehr genügt es, dass wir unsere Kräfte einsetzen. Die Fähigkeiten, die uns gegeben sind, und die Möglichkeiten, die sich uns eröffnen, genügen, um beispielsweise unseren Beitrag zum Reich Gottes und zum Entstehen einer gerechten Welt zu leisten. Wenn wir das unsere getan haben, dann dürfen wir aus dem Vertrauen heraus leben, dass Gott das seine tut. Es wäre wirklich ein Wunder, wenn es plötzlich eine vollkommen gerechte Welt gäbe. Doch was können wir tun, dass es gerechter zugeht in der Welt?

Heute nach dem Gottesdienst werden Waren des Eine-Welt-Ladens verkauft. Hinter dieser Bewegung steht die Idee, dass durch entsprechende Handelswege garantiert wird, dass Bauern in den armen Ländern der Welt für ihre Produkte angemessene Preise bezahlt bekommen. Ursprünglich hießen diese Läden Dritte-Welt-Läden. Durch das Wort von der Einen Welt wird deutlich, dass wir eine Verpflichtung allen Ländern der Welt gegenüber haben und einen Beitrag für eine gerechte Welt leisten können.

Ähnliches gilt auch in unserem Land. Auch hier können wir einen Beitrag zur Gerechtigkeit leisten, indem wir unser Kaufverhalten verändern. Natürlich freut sich jeder, wenn in den Theken der Geschäfte möglichst billige Waren liegen, doch gerecht ist dieser Handel nur, wenn Produkte einen Preis haben, der die Arbeitsleistung ihrer Erzeuger angemessen entlohnt. Das sollten wir im Hinterkopf haben, wenn wir beispielsweise Lebensmittel einkaufen. Sind wir dann bereit einen Preis zu bezahlen, der die Leistung eines Landwirtes angemessen entlohnt. Wenn wir Gerechtigkeit wollen, dann müssen wir auch etwas dafür tun. Vielleicht ist Gottes Wunder dabei, dass uns eine gerechte Welt wirklich wichtig wird.