Gedanken von mir
 


Verlierer?


Wer gewinnen will, der wird verlieren, wer verliert, der gewinnt! – eigenartige Vorstellungen mutet uns das Evangelium heute zu. Wir, die wir in allen Bereichen darauf getrimmt sind, zu gewinnen, und die Erfahrung machen, dass wir so zu was kommen, sollen zu Loosern – zu Verlierern werden? Das entspricht nicht gerade dem Lebenssinn unserer Welt. Es wird uns beigebracht und wir sind es gewohnt, erfolgsorientiert unser Leben zu gestalten und dann in dem zu baden, was wir erreicht haben. Dieses Denken betrifft nicht nur Sport, Arbeit oder Schule. Dieses Denken betrifft auch unseren Umgang mit den sozialen Systemen unserer Gesellschaft, unser Leben mit unseren Mitmenschen und unseren Glauben. In allen Bereichen versuchen wir uns durch Leistung ein sicheres Polster zu erarbeiten, das wir dann gut festhalten und auf das wir verweisen – schließlich haben wir uns ja etwas verdient. Wir brauchen die Gewissheit, dass unser Tun nicht sinnlos – spricht erfolglos ist. Da ist es unangenehm zu hören, dass uns alles Verdiente – Gewonnene durch die Finger rinnen wird.

Jesus macht mit seiner Aussage klar, dass wir auf einem Irrweg sind, wenn wir uns alles aus eigener Kraft sichern wollen. Besonders wenn es ums Glauben geht, ist der Versuch irrig etwas gewinnen zu wollen. Es ist nicht möglich, dass wir uns etwas erarbeiten und es als das Unsere festhalten. Glauben bedeutet Lassen, unsere Gedanken und unsere Hände öffnen und in Gelassenheit zu leben. Um diesen Weg kommen wir nicht herum.

Jesus zählt auf, was wir so alles an Liebgewonnenem im Gepäck haben. Vater, Mutter, Geschwister usw. stehen nur beispielhaft für vieles, was uns wichtig ist. Je mehr wir das festhalten, desto weniger sind wir Jesu würdig, weil wir dadurch weniger fähig sind, uns auf den Weg Christi einzulassen. Wichtig ist zu sehen, dass Jesus nicht dazu auffordert, unsere Familie zu verstoßen. Erfordert vielmehr, dass wir uns freimachen für den Weg mit ihm. Wer sich an Dingen festhält, und seien sie noch so wichtig, der hat nicht die nötige Freiheit, sich auf Gott einzulassen. Mit diesen Dingen sind nicht nur Menschen und Materielles gemeint, sondern auch Gedanken und Vorstellungen. Sogar wenn wir meinen, wir haben Gott gefunden und wollen ihn festhalten, müssen wir uns von unseren Gedanken wieder lösen, sonst fehlt uns die Freiheit für den Weg Gottes. Wenn wir ehrlich hinschauen, was uns die Freiheit in Glaubensdingen raubt, dann werden wir genügend Anhaltspunkte finden, die uns daran hindern, wirklich in Freiheit auf die Anfragen Jesu zu reagieren, das heißt wirklich in Freiheit zu glauben.

Jesus führt uns als Beispiel unser Verhalten mit Mitmenschen vor Augen. Es ist gut, wenn wir uns auf Menschen einzulassen und ihnen beistehen. Doch wenn es uns dabei um den Stand und die Stellung geht, die wir dann bei den Menschen haben, dann ist das nicht die Art Jesu. Auch wenn wir uns einen Platz im Himmelverdienen wollten, ist das ein Irrweg. Vielmehr muss die Motivation unseres Tuns in Gottes Liebe zu uns liegen. Je mehr wir uns auf Gott einlassen, desto mehr ergibt sich für unser Leben, dass Menschen bei uns einen guten Platz haben und wir gleichzeitig unabhängig werden von der Meinung der Menschen.

Eine Frau in Schumen sieht das Bedürfnis des Propheten Elischa. Sie beginnt ihm zu helfen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Schließlich hat sie unverhofften Erfolg. Mit der Ankündigung der Geburt eines Kindes hat sie ein größeres Geschenk erhalten, als sie erträumen konnte.

Menschen, die sich auf Gott einlassen, ohne sich bestimmte Dinge zu erwarten, werden vom Leben überrascht sein. Was wir Glauben nennen, kennt oft feste Vorstellungen. Es ist, als wollten wir Gott vorschreiben, wie er zu sein hat. Wir planen und legen unser Leben fest und werden enttäuscht. Uns wird die Täuschung genommen, dass Gott sich unserem Denken anpasst. Nur wenn es uns gelingt, dass wir in unserem Denken freiwerden, eröffnet sich uns eine Gelassenheit, die hilft Leben zu gestalten und auch das zu tragen, was schwer fällt. Diese Gelassenheit ist gleichzeitig Grund für überraschende Freude, die wir nicht erwartet haben. Nur wo keine Erwartungen sind, wird Leben zum echten Geschenk. Glaube ist dann keine Fessel mehr. Glaube wird zur Freude am Leben.

Schauen wir, was Ziel unseres Glaubens ist. Wollen wir uns damit einen Platz im Himmel sichern, indem wir Gott gefallen? Sollte das unsere Motivation zu glauben sein, dann ist uns Enttäuschung gewiss. Jesus bietet keine sicheren Plätze im Himmel an, er bietet noch nicht einmal ein angenehmes Leben. Jesus geht uns einen Weg voraus, der uns von den menschlichen Fesseln im Leben und Glauben löst und uns zur Gelassenheit führt. Diese Gelassenheit und das Vertrauen in Gottes Dasein lassen uns wirklich leben. Leistungsdruck in Glaubensdingen gibt es bei ihm nicht mehr, sondern ein Leben aus dem Vertrauen heraus, dass wir gehalten, getragen und geliebt sind. Wenn das kein Gewinn ist!