Nach dem Mund geredet - dem Mund Gottes!


In der Geschichte unserer Kirche gab es die Zeit der Höllenpredigten. Denn Menschen wurde mit viel Phantasie das Bild von einer Hölle gemalt und mit dem ewigen Aufenthalt im Feuerofen des Teufels gedroht, um sie so auf den guten Weg zu bringen, der ins Paradies führt. Angst war und ist ein beliebtes Mittel, um Menschen in Zucht zu halten. Auch wenn es in der Kirche immer noch ein paar Traditionalisten gibt, die diesen Zeiten nachtrauern, so hat doch die Mehrheit der Christen das Evangelium wahrgenommen als eine Botschaft von Gott, der den Menschen keine Angst macht.

Angst und Einschüchterung, damit arbeiten Menschen, die ihre Macht über andere genießen und behalten wollen. Terroristen spielen damit genauso wie Tyrannen und Diktaturen. Einrichtungen unserer Geschichte wie Gestapo und Staatssicherheit waren angstmachende Institutionen. Doch da gibt es auch die andere Angst: die Angst vor der Meinung der Anderen, die Angst, Ansehen und Achtung zu verlieren, wenn man den anderen nicht nach den Mund redet.

Der Prophet Jeremia erlebt, was es heißt, bedroht und eingeschüchtert zu werden, wenn man nicht nach der Menschen Wille redet. Doch er tut seinen Mund weiterhin auf, denn er glaubt an Gott und hat damit einen starken Partner an seiner Seite. Sein Glaube macht ihn unabhängig von den Menschen und er muss die Meinung der Leute nicht fürchten.

Wer sich an Gott hält, der braucht keine Angst zu haben, denn Gott arbeitet nicht mit Angst, sondern mit Liebe. Auch wenn es immer wieder Versuche gab und gibt, uns den Glauben an einen liebenden Gott zu nehmen, steht doch die Botschaft des Evangeliums. Jesus ruft uns Menschen zu: Fürchtet euch nicht vor den Menschen! Man könnte weiterführen: Lasst euch nicht von falschen Propheten einschüchtern, die euch Angst machen wollen. Gott, euer himmlischer Vater hat ein Auge auf euch. Wenn er sogar auf so scheinbar unbedeutende Geschöpfe achtet, wie die Spatzen, wie viel mehr achtet er dann auf euch, die ihr viel mehr wert seid, als die Spatzen. Gott achtet auf euch, denn er liebt euch.

Der Prophet Jeremia weiß, dass Gott auf ihn achtet. Das macht ihm nicht Angst, sondern bestärkt ihn, seinen Mitmenschen zu sagen, wie er die Dinge sieht. Trotz aller Versuche ihn einzuschüchtern, tut der Prophet seinen Mund auf und sagt den Menschen die Wahrheit. Er nimmt sich die Freiheit zu sagen, was zu sagen ist.

Die Wahrheit kommt ans Licht - manchem macht das eher Angst - doch Jesus will die Menschen damit ermutigen, ihre Scheu vor den Menschen abzulegen. Wie oft fragen wir uns, was wohl die Anderen denken, oder wir überlegen erst, was von uns erwartet wird, und sind dann brav - und fühlen uns eingeengt und unfrei. Wer seien Halt in Gott hat, der kann die Angst vor den Anderen ablegen. Er kann aussprechen, was er wirklich denkt und was ihm wichtig ist. Wer die Angst vor den Menschen abgelegt hat, der kann seinen Überzeugungen entsprechend frei leben.

Mit der Wahrheit lebt es sich leichter nicht nur, weil ich mir keine Sorgen mehr machen muss, ob nicht etwas Unangenehmes ans Licht kommt. Mit der Wahrheit lebt es sich leichter, weil ich dann weiß, was ich vom Anderen zu denken habe und weil ich mich nicht fragen muss, wie denn das wahre Gesicht eines Menschen aussieht.

Wenn wir unabhängig vom Denken der Anderen mit dem auftreten, was wir sind und denken, dann mag zwar der eine oder andere - manchmal auch viele - die Nase rümpfen und nicht gerade nett von uns reden und der Jubel über uns wird etwas spärlicher ausfallen, wir werden aber die Freiheit genießen dürfen, die die Wahrheit mit sich bringt. Ob sich das nicht lohnt?