Gedanken von mir
 


Fürchtet euch nicht!


„Fürchtet euch nicht!“ sagt Jesus zu seinen Jüngern. Leichter gesagt als getan, werden wir denken. Wir kennen viele Formen von Furcht. Der Blick in die Zukunft, die soziale Not in der Welt, Ungerechtigkeit, Unfriede, … Viele Vorgänge in unserer Welt können uns wirklich das Fürchten lehren. Furcht kennt viele Spielweisen. Die Furcht vor den Menschen zeigt sich als Angst vor der Meinung des anderen, was hat er für ein Bild von mir, was denkt er von mir. Will er mich irgendwie hineinreiten oder anschwärzen. Vielleicht stehe ich auf der Mobbingliste und bin demnächst unerwünscht. Hinzu kommt als Ehrfurcht getarnte Angst. Vorgesetzte baden oftmals in Aufmerksamkeit und Zuwendung. Doch dahinter verbirgt sich regelmäßig die Furcht, man könnte übersehen werden oder in Ungnade fallen. In diesen Situationen sollte uns das Wort Jesu gut tun und aufrichten: Fürchtet euch nicht vor den Menschen, denn Gott hat ein Auge auf euch!

Wenn auch Menschen um uns herum Furcht verbreiten und wir davon ergriffen werden, so brauchen wir uns wenigstens vor Gott nicht zu fürchten. Er steht vielmehr neben uns und gibt uns die Sicherheit und den Beistand, dass wir uns den Menschen stellen können.

Die Gute Nachricht: vor Gott brauchen wir uns nicht zu fürchten. Jesus hat uns Gott vorgestellt nicht als bedrohlichen Herrscher, sondern als einen sorgenden Vater; nicht als ein „big brother“ der kontrolliert, sondern einen Gott, der den Menschen mit seiner Liebe um fängt. Gott verbreitet keine Furcht. Er ist vielmehr die Quelle der Liebe, die uns umfängt. Je mehr wir auf Gott bauen, desto mehr wächst in uns Vertrauen und verdrängt Furcht. Wir werden von der Furcht vor den Menschen frei, je mehr es uns gelingt, an diesen Gott der Liebe zu glauben. Jesus macht uns Mut zu einem solchen Glauben. Mehr noch, er fordert ihn ein.

Fürchtet euch nicht, so lautet das Wort Jesu an uns und er fordert uns auf sich zu ihm zu bekennen. Bekenntnis zu Jesus Christus schließt das Bekenntnis zu diesem „Fürchtet euch nicht!“ mit ein. Es ist Jesu erklärter Wille, dass wir unsere Furcht vor den Menschen ablegen und das Vertrauen in die Liebe Gottes lernen. Wer uns einen anderen Weg lehrt, wer uns das Fürchten lehrt, der verleugnet Christus. Leider gibt es Menschen, die uns das Fürchten lehren wollen auch im Namen Jesu Christi – ein Widerspruch in sich.

Wer sich zu Jesus Christus bekennt, der lernt auf Gott vertrauen und verliert die Furcht vor den Menschen.

Der Prophet Jeremia hat zwar allen Grund zur Klage und ist trotzdemein Beispiel des Vertrauens in Gott. Gott hat ihn in Dienst genommen und Jeremia hat sich ganz darauf eingelassen. Mit Erfolg, denn sogar die nächsten Bekannten wenden sich von ihm ab. Was Jeremia in Gottes Namen zu verkünden hat, klingt nicht besonders angenehm. An ihm sehen wir, dass wer Gottes Wort verkündet, der sich nicht wundern zu braucht, wenn Menschen auf Distanz gehen. Ein Wort sagt, Gottes Wort ist nicht Öl, sondern Sand im Getriebe der Welt! Nicht die Angst lässt Menschen zurückweichen, sondern treffende Anfragen und die deutliche Kritik Gottes am Leben der Menschen.

Würde Jeremia sich vor den Menschen fürchten, dann würde er sich zurückziehen. Er weiß aber, in wessen Namen er auftritt. Jeremia bekennt sich zu Gott. Deshalb hat er auch den nötigen Mut und die nötige Kraft gegen alle Ablehnung aufzutreten und Gottes Wort zu verkünden. Gott steht ihm bei, auf ihn allein kann er sich ganz und gar verlassen.

Fürchtet euch nicht! – ist das Wort Jesu an uns und in seinem Auftrag unser Wort an die Welt. Wir haben beides gehört – das Vertrauen Jeremias und das Wort Jesu „Fürchtet euch nicht!“. Wer sich zu Christus bekennen will, braucht beides, denn er wird auf Widerspruch und Widerstand stoßen, sowohl in der weltlichen als auch in der kirchlichen Gesellschaft. Denn Gottes Wort ist nicht das Öl, sondern der Sand im Getriebe der Welt. Doch unsere Botschaft heißt Fürchtet euch nicht, denn Gott ist mit uns – mit euch! Gott mit uns, sein Wort, seine Idee von der Welt ist mit uns. Unsere Welt ist bestimmt von der Angst vor der Zukunft und vor sozialer Not. Ungerechtigkeit und Unfriede haben dort Raum, wo Gottes Wort nicht mehr zum Zug kommt. Das Bekenntnis zu Christus fordert eine Veränderung unserer Lebenssicht und unseres Lebens. Wenn wir Christus ins Zentrum unseres Lebens stellen, dann verändern sich Beziehung. Menschen werden wahr und ernst genommen. Liebe setzt Gerechtigkeit und Freiheit frei. Ein kleines Beispiel zum Schluss. Viele jammern über unbezahlbare Sozialsystem und leere öffentliche Kassen. Gleichzeitig sind viele froh um noch das kleinste Schlupfloch, um Steuer zu sparen und die kleinste Bestimmung, um soziale Leistungen empfangen zu können. Leben im Sinne Jesu beginnt da, wo der Starke auf seine Überlegenheit und Ansprüche verzichtet und damit der Schwache auch seinen Platz zum Leben bekommt. Wer das in unserem Land verkündet, wird kaum Beifall ernten.

Jesus sagt, fürchtet euch nicht vor den Menschen, denn Gott sorgt für euch. Ich wünsche uns, dass wir glauben lernen und die Furcht vor den Menschen immer mehr ablegen können.