Der eingegrenzte Himmel


Aufstand im katholischen Bayern! Streit ums Kruzifix! In den vergangenen Tagen wurden wieder einmal gefordert, dass an den Schulen religiöse Symbole und religiös motivierte Kleidungsstücke nicht zu suchen hätten. Was ist so anstößig daran, dass christlicher Glaube im christlichen Abendmahl sichtbar ist? Auch ich kenne die unheilvolle Seite der Geschichte des Christentums, doch die Botschaft, die Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gibt, kann niemanden ein Dorn im Auge sein, dem es wirklich um das Heil der Menschen und um Gerechtigkeit in unserer Welt geht.

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Mit diesen Worten sendet Jesus seine Jünger in die Welt. Anfangs nur für das jüdische Volk gedacht, gilt diese Botschaft allen Menschen, egal in welcher Situation sie sich befinden. Kein Mensch, sei er noch so vom Schicksal geschlagen, muss befürchten, dass Gottes Heilsangebot nicht auch für ihn gilt. Gerade das Kreuz weist uns darauf hin. Genau dieses Kreuz ist immer wieder Stein des Anstoßes – übrigens nichts Neues: Schon die ersten Christen mussten es sich gefallen lassen, dass ihr Glaube durch Darstellungen geschmäht wurden, die einen Esel am Kreuz zeigten.

Menschen stellen sich immer wieder die Frage, ob es den notwendig war, dass Gott seinen Sohn ans Kreuz schlagen ließ, und ob es nicht einen anderen Weg der Erlösung hätte geben können. Der Weg Jesu erscheint als Dummheit, doch die biblische Botschaft kennt keinen anderen Weg für Gottes Sohn, als den Weg ans Kreuz. Das nicht so sehr, weil Jesus mit seiner Botschaft angeeckt ist, sondern weil er mit seinem Leben die Situation aller Menschen erreichen wollte. Mit dem Weg durch die Not und das Leid des Kreuzestodes wird jedes menschliche Leid eingefangen. Der Blick auf den Gekreuzigten macht uns deutlich, dass auch Gottes Sohn weiß, was es heißt ausgestoßen, geschändet, gefoltert zu sein. Er wurde für nicht mehr lebenswert gehalten sondern war für den Tod bestimmt. Weil Jesus das Schicksal auch der geschundenen Menschen teilt, hat er der Welt klar gemacht, jeder Mensch darf sich der Zuwendung Gottes sicher sein, egal, was er zu erleiden hat.

Paulus fasst das in folgende Worte: Als wir die Menschen gottlos und schwach waren, da ist Jesus für uns gestorben und deshalb sind wir gerettet. Gott fordert keine Vorbedingungen für seine Erlösungstat. Der Mensch darf sogar gottlos sein. Gerade die Schwäche des Menschen ist Gott der Anlass, die Gemeinschaft mit den Menschen zu suchen und ihm das Heil zu schenken.

Wir Menschen machen gerne Einschränkungen: Wer nicht fromm genug ist, wer sich nicht sozial genug verhält, der hat bei Gott nichts zu suchen. Ehrlicher formuliert müsste es heißen, wer nicht sozial genug ist, wer nicht die richtige Nase hat, der hat bei uns nichts zu suchen. Nicht Gott schließt aus, die Menschen tun es. Es geht hier nicht um die Gemeinschaft Gottes, sondern um unsere weltliche Gesellschaft. Wir setzen Grenzen, bei Gott gibt es keine Einschränkungen. Bei ihm hat jeder Mensch einen Platz – sei er gut oder nicht. Jeder Mensch ist durch die Heilstat Jesu gerecht gemacht und gerettet und das ohne entsprechende Vorbedingungen. Damit gilt für jeden Menschen, das Himmelreich ist nahe, denn in Gottes Reich hat jeder seinen Platz.

Einer Welt, die gerne in gut und böse, in gerecht und ungerecht, in würdig und unwürdig sortiert, gehen solche Heilszusagen zu weit. So eine Gesellschaft nimmt gerne selbst in die Hand, wen sie für würdig hält, in ihre Reihen zu gehören. So eine Gesellschaft möchte auch nicht ständig daran erinnert werden, dass sie nicht die Herrin der Menschen ist. Deshalb hält sie es für wichtig, Symbole christlicher Werte zu entfernen. So eine Gesellschaft darf sich aber auch nicht wundern, wenn Menschen beginnen, über Zeitpunkt und Situation zu diskutieren, wann menschliches Leben wirklich beginnt und wann es möglich ist, von unwertem Leben zu sprechen.

Vor solchen Gedanken schützt die Menschen nur der Glaube an einen Gott, der alle Menschen für würdig erklärt hat, egal in welchem Stadium der Entwicklung oder welcher Situation er sich gerade befindet. Nur bei Gott können wir uns darauf verlassen, dass jeder Mensch bei ihm sicher ist. Denn Gott hat jeden Menschen gerecht gemacht. Jeder Mensch ist würdig für die Gemeinschaft mit ihm.