Gedanken von mir
 


Christliche Verkündigung


Jesus sieht die Menschen und bekommt Mitleid mit ihnen. Er sieht ihre Not, ihre Sehnsucht, ihren Hunger nach Heil und Leben. Da wählt Jesus Männer aus, die in seinem Namen Antwort geben auf die Not der Menschen. Jesus spürt, die Menschen brauchen jemanden, der für sie da ist und für sie sorgt. Seinen Auserwählten gibt er einen klaren Auftrag mit auf den Weg: Verkündet den Menschen, das Himmelreich ist nahe!

In der Geschichte der Verkündigung unserer Kirche kennen wir Zeiten der Höllenpredigten. Durch die Darstellung einer Hölle, die zum Fürchten war, sollten Menschen auf dem Weg zu Gott gehalten werden. Je größer die Angst vor der Hölle ist, desto mehr halten sich die Menschen an Gott, war die Philosophie, die hinter dieser Form der Verkündigung steckte. Mit weit reichenden Folgen, bis heute tun sich viele Menschen schwer, das Bild vom strafenden und rächenden Gott abzulegen, ihre Angst loszulassen, dass sie verloren gehen könnten.

Jesus trägt seinen Jüngern eine andere Form der Verkündigung auf. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus, so trägt er ihnen auf. Nicht Drohung und Angst bestimmen die Verkündigung der Apostel, sondern die Ankündigung des nahen Reiches Gottes. Die Menschen sollen vom Heil erfahren, das aus Gottes Liebe kommt. Gott ist mit den Menschen, so lautet die Botschaft Jesu und seiner Jünger. Gottes Reich bricht an. Weil die Menschen Heil erfahren, wächst in ihnen der Glauben an Gott. Nicht Angst bindet sie an Gott, sondern die Liebe.

Die Verkündigung der Jünger ist geleitet von der Menschlichkeit Gottes. Es geht nicht darum mit einer großen, einzigen Wahrheit aufzutreten, sondern sich als Diener am Heil der Menschen zu erweisen. Heute scheint es oft so zu sein, als hätten wir Angst vor einer menschlichen Kirche, weil es in so einer Kirche drunter und drüber geht. Nur die Betonung der letzten Wahrheit und die Einforderung strenger Regeln könne diesem Chaos abhelfen.

Jesus kannte diese Angst nicht. Er sah nur die Menschen in ihrer Not und mit ihrem Leid, dem wollte er abhelfen. Jesus nimmt die Menschen in ihrem Leid wahr und teilt ihr Leben. Damit erfahren die Menschen das Heil.

Den gleichen Weg sollen die Apostel gehen. Sie sollen Menschen sein, die die Menschen in ihrer Situation wahrnehmen und ernst nehmen, die die Menschen mit ihrer Not sehen und ihrer Not abhelfen. In den Worten Jesus ist kein Vorwurf, keine Drohung, nur die Sorge und der Wunsch nach dem Heil und der Rettung der Menschen. Die Apostel erhalten den gleichen Auftrag und durch sie schließlich auch wir. Heute sind wir es, die die Not der Menschen wahrnehmen und nach Kräften ihnen zum Heil verhelfen sollen. Diese Aufgabe ist fordernd, vielleicht sogar überfordernd. Ein Text von Hildegard Nies soll uns Mut machen:

Nie ein großes Werk vollbracht, kein Buch, kein Bild, keine Entdeckung.

Nie im Rampenlicht gestanden, immer nur Statist auf den Bühnen der Welt.

Nie etwas vorweisen können, die Blicke gehen an mir vorbei …

Was zählt?

Vielleicht dies: dass es Augenblicke gab, in denen ich menschlich war, Erbarmen hatte, geliebt habe. Augenblicke, in denen ich eine Spur war zu dir?